Archiv für die Kategorie ‘Auf der Bühne’

weitere Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater in Siegen

Montag, 04. November 2019

Mit Lola durch bewegte Zeiten

Irina Ries und ihr Pianist Christian Keul interpretieren im Bruchwerk Theater das Musical „[Heute Abend:]Lola Blau“ von Georg Kreisler neu und ernten am Ende Stürme der Begeisterung

Siegen. Das bewegte Leben einer jüdischen Sängerin während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit darzustellen, die Schauplätze von Österreich über die Schweiz in die USA, dann wieder zurück nach Wien, Budapest und Berlin zu verlagern, geht das? Es klappt – und zwar vortrefflich – wenn eine solch vielseitige Verwandlungskünstlerin wie Irina Ries auf der Bühne agiert. Die noch dazu von einem Tasten-Künstler wie Christian Keul begleitet wird, der in seiner trocken-lakonischen Art in verschiedene Nebenrollen schlüpft. Mal in eine Concierge, dann in einen Briefboten mit mehr oder weniger guten Botschaften, zwischendurch auch als Ausrufer mit dem Megaphon.

„Ich habe Angst vor den vielen Schmidts.“,Irina Ries in ihrer Rolle als Lola Blau

Georg Kreisler der 1922 geborene und 2011 verstorbene österreichische Komponist, Dichter und Sänger, steht für rabenschwarze, manchmal auch sehr böse, anarchistische Texte. Sein bekanntestes Lied wurde „Tauben vergiften im Park“. Sein Musical „Lola Blau“ wurde 1971 uraufgeführt und passt perfekt in kleine Theater. Texte und Lieder sind vorwiegend deutschsprachig, passend auch zum Leben Kreislers, der mit seinen Eltern wegen deren jüdischer Herkunft 1938 in die USA emigrierte und 1955 nach Europa zurück kam.

1938 beginnt auch die in „[Heute Abend:] Lola Blau“ erzählte Geschichte einer Wiener Sängerin, deren Karriereträume in ihrem Heimatland zerplatzten, weil Österreich von Nazi-Deutschland „Heim ins Reich“ geholt hatte. Das Hakenkreuz ist allgegenwärtig. Aus dem Megaphon erscheinen in nervender Lautstärke Heil-Hitler-Rufe und aus dem Volksempfänger „Die Fahne hoch“ im Marschrhythmus. An Lolas Reisekoffer klebt der gelbe Judenstern, als sie in die neutrale Schweiz reist und Konzerte gibt. Doch der lange Arm der Nazis erreicht sie auch dort. Die Fremdenpolizei Zürich gibt ihr 24 Stunden bis zur Ausreise.

Die USA werden ihre neue Heimat, ihre geliebten Leo muss sie zurücklassen. Lolas Reisekoffer ziert inzwischen die amerikanische Flagge. Sie tritt in Las Vegas und New York auf. Herrlich, wie Irina Ries dabei im Dirndl und in alpenländisch eingefärbtem Englisch „Sex is a wonderful habit“ interpretiert. Doch in Wirklichkeit ist sie todunglücklich die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 erweckt bei Lola Blau Glücksgefühle. „Heut werd ich mich besaufen“, singt sie und nimmt das so wörtlich, dass sie alkoholbenebelt am Boden liegt. Und auch diesen Zustand verkörpert Irina Ries perfekt.

Und Leo? Sein Anruf aus Wien und ihre vorsichtige Annäherung an ihn gehört zu den innigsten Minuten des Abends. Zurückgekehrt nach Wien, merkt sie: Theater ist so ziemlich das Letzte, was die Menschen in der Nachkriegszeit brauchen. Sie bekommt eine Absage nach der anderen, versucht sich in Operettenrollen, um schließlich im „Kaiserschmarrn“ in Wiens 4. Bezirk zu landen. Als Kabarettsängerin.

Aber auch politisch zerplatzt in Lola Blau manche Hoffnung. „Ich hab Angst vor den vielen Schmidts“, singt sie und meint damit die Bürger, die die Nazizeit verharmlosen und sich ihrer Verantwortung für die Vergangenheit nicht stellen. Und Leo, den sie in Wien treffen wollte? Ob er kommt, bleibt offen. „So ist das Leben“, resigniert sie.

Von all den vielen Kreisler-Liedern, die Irina Ries an diesem Abend präsentiert, bleibt vor allem „Im Theater ist nichts los“ im Kopf der Besucher. Im Bruchwerk Theater ist jedoch umso mehr los. Eine Künstlerin, die in unzählige Kostüme schlüpft. Dabei stets auch ihre Persönlichkeit verändert, schweizerisch, berlinerisch, wienerisch und noch andere Dialekte kann, mal brav und bieder und dann frivol verrucht daherkommt, die sich verletzlich und direkt danach euphorisch aufgeladen zeigt, lässt die Zuschauer fast atemlos werden.

Dass sie und ihr Piano-Mann Christian Keul ohne jegliche Mikros, dafür aber perfekt ausgeleuchtet agieren, macht sie beweglicher, lässt sie noch dichter an das Publikum herankommen und setzt der Inszenierung das Sahnehäubchen auf. Deren Emotionen entladen sich durch lautes Bravo und rhythmisches Fußtrampeln.“

von Wolfgang Leipold, Westfalenpost, am 16.09.2019

Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater, Siegen

Donnerstag, 03. Oktober 2019

„“Eine Nachricht für Lola Blau“ SIEGEN Das Bruchwerk-Theater eröffnete die neue Spielzeit mit einem Stück von Georg Kreisler
Das Publikum belohnte die gelungene Premiere mit tosendem Applaus.
[…] Das Bruchwerk-Theater startete am Sonntagabend mit der Premiere des Ein-Personen-Stückes in die neue Spielzeit und erzählte die besondere Geschichte einer jüdischen Künstlerin, die ihre Heimat kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verlassen musste und sich auf die Suche nach Akzeptanz und Erfolg machte.
Im „Bruchwerk“ schlüpfte die professionelle Theaterschauspielerin Irina Ries, die in diesem Jahr bereits in dem Stück „Beben“ in Siegen zu sehen war, in die Rolle der Lola Blau. Begleitet wurde sie am Klavier von Christian Keul. […]
Seit seiner Uraufführung im Jahre 1971 in Wien hat das Stück nicht an Aktualität verloren. Mit viel Humor, Charme aber auch Tiefgründigkeit entführte Irina Ries das Publikum in eine andere Zeit, in der man nicht „allen alles sagen“ konnte, wie sie in einem der zahlreichen Lieder singt.
Die Künstlerin unterhält das Publikum aber nicht nur mit Ihrer geschulten Musical-Stimme, sondern auch mit ihren authentischen Dialekten, wie dem der Frau Schmidt: eine Österreichische Frau, die lieber alles beim Alten lassen will, statt offen für Neues zu sein.
Das Theaterstück hat überraschend viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft und spielt mit Provokation und Offenheit. Das Publikum belohnte diese Schauspielerische Leistung mit tosendem Applaus und bestätigte die Erkenntnis Kreislers: „Im Theater ist was los!““
von Kiana Nourishad, Siegener Zeitung, am 16.09.2019

erste Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“

Freitag, 23. August 2019

Ein gelungenes Wagnis

Rabenau. Im voll besetzten Odenhäuser Hofguttheater […] brannte es jetzt lichterloh, freilich im übertragenen Sinne. Nach zweieinhalb Stunden Spieldauer sah sich das Publikum zu einer Klatschorgie gezwungen. Dankbarer Applaus brannte den Leuten auf den Nägeln. Überdies hat die noch junge Einrichtung ihre Feuertaufe bestanden. Ausgehend vom musischen Anspruch, dass ein Theater neben der Vermittlung von Schönheit der Kunst auch einen gesellschaftspolitischen Auftrag hat, konnte sich das einzige Theater im Lumdatal nun emanzipieren.

„Heute Abend: Lola Blau“ stand auf dem Spielplan. Irina Ries gab dieser Frauenfigur eine ausgewogene Mischung aus Nachdenklichkeit und Dynamik. Christian Keul am Pianoforte begleitete sie dabei gefühlvoll und schlüpfte in kleinere Nebenrollen. […]

Schachtelungen und Reime sind das Handwerkszeug des Individualisten Kreisler. Für ein Publikum dieser Tage bedeutet das, die grauen Zellen schon anzustrengen. Kunstgenuss trifft auf Appetitverderber. Zweieinhalb Stunden Kreisler auf der Bühne könnte ein Wagnis sein. Doch Künstler wären keine, würden sie nichts riskieren. Ries entscheidet sich für Innehalten, nachdenkliche Momente im geschickten Wechsel mit Dynamik durch vollen Körpereinsatz […] Requisiten auf der Bühne deuten die jeweiligen Handlungsorte an. Ries wechselt die Kostüme, dafür steht ein Paravent bereit, und verkörpert glaubwürdig verschiedene Gemütszustände. Freilich sieht Kreislers Gesellschaftskritik nicht nur das biedermeierliche unbelehrbare Deutschland, sondern auch das amerikanische Sexbusiness.

Die Aufführung von „Heute Abend – Lola Blau“ wird im Hofguttheater Rabenau am Sonntag, 3. November, 18 Uhr wiederholt.“

Gießener Allgemeine Zeitung 20.08.2019, von Volker Heller vollständiger Artikel

Neuaufnahme HEUTE ABEND: LOLA BLAU

Donnerstag, 11. Juli 2019

Ab 18.08.2019 darf ich mit meinem Pianisten Christian Keul das Stück „Heute Abend: Lola Blau“ von Georg Kreisler im Repertoire führen. Gespielt wird zunächst im kleinen feinen Hofgut Theater Rabenau bei Gießen und im Bruchwerk Theater Siegen.

Dieses außergewöhnliche Stück für eine einzelne Sängerin und Schauspielerin hat seit seiner Uraufführung – mit Topsy Küppers 1971 in Wien – nicht an Aktualität verloren. Die Kabarettsongs des großen Komponisten, Sängers und Dichters Georg Kreisler (1922-2011) umfassen eine Spannweite von virtuoser Komödie bis zur berührenden Tragödie.

Lola steht 1938 kurz vor ihrem ersten Engagement am Landestheater Linz, als sich Österreich an Nazi-Deutschland anschließt und sie als Jüdin das Land verlassen muss. Zunächst findet sie in der Schweiz erste Jobs. Als sie auch hier nicht weiter willkommen ist, tritt sie die Reise in die USA an und startet dort eine Karriere als Sängerin in Nachtclubs. Nach Kriegsende macht sie sich wieder auf den Weg nach Wien- stets auf der Suche nach Glück und Geborgenheit.

„LOLA BLAU ist die Geschichte einer Ohnmacht. Lola steht dem Antisemitismus ebenso ratlos ohnmächtig gegenüber wie dem eigenen Judentum. Sie ist ohnmächtig gegen die sturen Schweizer, wütet ohnmächtig gegen die Sex-Karriere in Amerika, und zum Schluss ist sie wieder ohnmächtig gegen die österreichischen Ewig-Gestrigen.“ (Georg Kreisler, gefunden bei Musik und Bühne Verlagsgesellschaft mbH)

Mit: Irina Ries; Christian Keul (Klavier), Musik und Text: Georg Kreisler

Originalverlag: Josef Weinberger LTD., Bühnenvertrieb: MUSIK UND BÜHNE Verlagsgesellschaft mbH, Wiesbaden

Konzert für die ganze Familie

Mittwoch, 05. September 2018

Am 16.09.2017 veranstaltet die Rudolf Steiner Schule Siegen gemeinsam mit der Philharmonie Südwestfalen ein Konzert für die ganze Familie. Ich darf beim Hauptstück „Die Geschichte von Babar – der kleine Elefant“ die Brücke zwischen der Musik von Francis Poulenc, geleitet von Robin Engelen, dem Text von Jean de Brunhoff und den ZuhörerInnen schlagen. Als Schmankerl vorweg gibt es eine „Circus Polka“ und beendet wird das Konzert mit bekannten Melodien aus dem Dschungelbuch. Ich freue mich auf den akustisch hochgelobten Festsaal der Schule, meine erste Zusammenarbeit mit der Philharmonie SW und die neugierigen Besucher. Es beginnt um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei, es wird um eine Spende gebeten.

Plakat Kinderkonzert RSS-1

2018/2019 – alles noch offen

Samstag, 18. August 2018

Nach einem erfüllenden Reisejahr bin ich wieder zurück in Gießen und freue mich auf alles, was kommen mag. Sicher werde ich noch lange von Erlebtem zehren. Von Begegnungen, kulturellen Eindrücken, wunderbaren Landschaften und so viel Sonne. Das Glück war auf unserer Seite!

Automatisch ergab sich die Reisezeit dann auch als Orientierungszeit. Werde ich weiter schauspielern? Will ich überhaupt weiter spielen? Ist es an der Zeit für einen zweiten Berufsweg? Viele Fragen kamen auf. Es ist schön, im letzten Drittel des Sabbaticals die Gewissheit erlangt zu haben, dass ich weiter meiner Leidenschaft nachgehen möchte, Theater zu spielen und vielleicht auch endlich den Fuß in die Tür des Filmfachs setze. Und es ist besonders schön, wie viele Kollegen mir gegenüber ihre Freude über diesen Entschluss ausgedrückt haben. Das bestätigt die Richtigkeit dessen. Die Bewerbungsphase läuft bereits auf Hochtouren und ich bin gespannt, wer mich zuerst für sich einnimmt.

Ab in den Wald im Gießener Stadttheater

Samstag, 30. Juli 2016

2006 debütierte ich im November am Stadttheater Gießen mit „Die Geschichte von Lena“. Zehn Jahre später kehre ich zurück, mit der Rolle von Aschenputtels Stiefmutter in dem wunderbar komischen Musical „Ab in den Wald“ von Steven Sontheim und James Lapine. Es wird meine erste direkte, gemeinsame Arbeit mit Cathérine Miville. Ich freue mich auf Oktober!