Archiv für die Kategorie ‘Kritiken’

„Heute Abend: Lola Blau“ – Pressestimmen

Freitag, 15. November 2013

„Lola Blau verlangt es nach Theater
Das Landestheater Eisenach zeigt Georg Kreislers Ein-Personen-Musical über eine jüdische Schauspielerin, die um jeden Preis auf die Bühne will.
… Der Österreichische Dichter und Komponist Georg Kreisler schrieb wunderbare Lieder für die naive jüdische Varité-Schauspielerin, melodiöse Sprachspiele, zum Teil bitterböse und am Rande des Nonsens. Christian Keul begleitet diese am Klavier. Dass er kein professioneller Schauspieler ist, dem Regisseur Carsten Kochan kleine Sprechrollen gegeben hat, stört nicht weiter. Die Bühne gehört ja Irina Ries als Lola Blau. Sie singt mit rauer Stimme und spielt die Naive einprägsam. Darin verliert sich die Figur jedoch mitunter zu sehr.
… Gegen Ende zeigt sich aber doch, wie bitter Lola geworden ist. Die stärkste Szene ist jene mit Frau Schmidt. Irina Ries intoniert den derben Wiener Akzent, verzehrt das Gesicht zur feinen Dame, die über ihr Leben fabuliert und mitläuft, egal wer gerade regiert, „ich bin doch nur die Frau Schmidt.“ „Heute Abend: Lola Blau“ hält dem Bürgertum den Spiegel vor. Einzig zwei Stofftücher mit Hakenkreuzen sind eine bewusste Provokation. Ansonsten ist die Bühne spärlich gehalten. Scheinbar spontan wird die Lola mit dem gespielt, was der Schauspielerin in die Hände fällt. Eine Lampe als Telefon, ein Koffer als Bett. Ja, wie schrieb schon Kreisler: Im Theater ist was los.“
Katja Dörn / 11.11.13 / TLZ

„Eisenach – Ein Klavier, einen Pianisten, ein Mikrofon, einen Koffer und eine Frau – mehr braucht ein Musical eigentlich nicht. Zumindest nicht «Heute Abend: Lola Blau».
Am Freitagabend feierte das Monodrama Georg Kreislers im Eisenacher Landestheater seine Premiere und obwohl nur wenig Publikum gekommen war, war diese, nicht zuletzt wegen des langanhaltenden Applauses, ein Erfolg.
… Gespielt wird Lola Blau im Eisenacher Theater von Irina Ries, welche mit großer Bravur und nur unterstützt von ihrem Pianisten, Christian Keul, durch das rund zweistündige Programm führt.“
eol/ppb / 10.11.13 / eisenachonline.de

Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen – Kritiken

Montag, 06. Juni 2011

„Die TiL-Bühne wird zur Baustelle eines Lebens
Spielfreudig und temporeich präsentierte Christian Fries seine Inszenierung von Oliver Bukowskis Kleist-Stück „Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen“ bei der Premiere im Gießener Stadttheater am Freitagabend.
Von Techno-Beats beschallt kommen die Besucher durch den Hintereingang ins Theater,… auf dem Boden zwei rote Läufer und vor allem viele Kartonteile, die zwischen den elf flott abgerollten Szenen immer wieder neu gemischt oder umsortiert werden, als entstünde dadurch ein neuer Sinn des Bühnenbildes, das man auch als Baustelle Leben bezeichnen könnte…
Dergestalt thematisieren sich Requisiten, Kulissen und Spielanweisungen irgendwo zwischen Kunst und deren vermeintlichem Gegenteil selbst im theatralischen Geschehen…
Dabei bedient sich diese Bildsprache mal tänzerischer Elemente, dann wieder komischer Slapstickeinlagen, … „Ich bin das, was ich scheine, und scheine nicht das, was ich bin, mir selbst ein unerklärliches Rätsel, bin ich entzweit von meinem Ich“, klagt der Medardus der Elixiere über das Phänomen der multiplen Selbstwahrnehmung, die im digitalen Zeitalter durch die inflationäre Vervielfältigung der primären Wirklichkeit noch gesteigert wird.
Könnte das philosophische und mittlerweile auch gerne als Pubertätskitsch abgetane Thema der modernen Identitäts- und Erkenntniskritik, an der sich im Ausgang von Kant über Kleist und Hoffmann bis hin zu Bukowskis Bühnenstück die Literatur abarbeitet, auch vom Theaterbesuch abschrecken, so überzeugt diese Inszenierung durch die spielerische Leichtigkeit, mit der sich ihr Tiefsinn ästhetisch genießbar und oft auch komisch entfaltet. Der Unterhaltungswert äußert sich nicht zuletzt in einer Reihe überraschender Regieeinfälle. Schon mal gehört, wie es klingen kann, wenn man die Kritik der Urteilskraft singt (Irina Ries)? Bis zum Schluss vermochten die Darsteller das Publikum mit ihrem Spieltrieb zu bannen, wofür es lang anhaltenden Beifall spendete.“
Gießener Allgemeine Zeitung (Matthias Luft), 18.04.2011

„Heinrich Kleist in die Moderne versetzt
Premiere: „Wenn ihr euch totschlagt, ist es ein Versehen“ von Oliver Bukowski. – Beklemmendes Kammerspiel über Dreiecksverhältnis.
…Christian Fries ließ das Stück im Spannungsbereich zwischen Komödie und Tragödie changieren…
Bernd Getskard (Milan Pesl) ist ein verkanntes Genie mit allem, was das Klischee dazu hergibt. Der Dichter ist eitel, selbstgerecht, egomanisch und ignorant, unsicher, ängstlich sensibel und lebensuntüchtig. Ohne seine Freundin Claudi (Irina Ries) und seinen Freund Wiepert (Rainer Hustedt) wäre Getskard aufgeschmissen. Wie es sich für ein Genie gehört, dankt er den beiden nicht, sondern provoziert sie ständig…
Fries lässt seine Akteure beklemmend realistisch leiden und er lässt offen, ob Wiepert an Getskard oder Claudi in unglücklicher Liebe gekettet ist…
Fries und seinem Ensemble gelingt es, dem Stück seine Dialoglastigkeit zu nehmen und dem Publikum die beklemmende Welt eines manisch-depressiven Künstlers zu öffnen.“
Gießener Anzeiger (Klaus-J. Frahm), 18.04.2011

Graf Öderland – Kritiken

Dienstag, 18. Januar 2011

„Knallereien, Farben, Musik: Frischs sperriger „Graf Öderland“ als sinnliches Spektakel
„Die Uraufführung 1951 in Zürich war ein respektabler Misserfolg, später in Frankfurt wurde das Stück unter Fritz Kortner noch einmal aufgeführt: ein noch respektablerer Misserfolg.“ Das sagte Autor Max Frisch mit einer gesunden Portion Selbstironie in einem Interview über seine Moritat „Graf Öderland“. Absolut nicht nachvollziehbar ist diese Bewertung aus früheren Jahren allerdings für jene, die jetzt am Stadttheater Gießen eine mehr als respektable Neuinszenierung erlebten.
Kurzweilig und doch anspruchsvoll, manchmal richtig witzig: Vor allem den zündenden Ideen von Regisseur Dirk Schulz und Bühnenbildner Bernhard Niechotz sowie dem engagierten Auftritt der Schauspieler ist es zu danken, dass nach der gut zweistündigen Aufführung das Premierenpublikum lang applaudierte…
…der spielerische Umgang mit dem Stoff ist es wohl auch, der den Theatermachern vor 60 Jahren fehlte…
Ein weiterer Grund für den Erfolg der aktuellen Inszenierung am Stadttheater mag sein, dass sich Regisseur Dirk Schulz nicht nur auf den reinen Text konzentrierte. Wo die Sätze zu sperrig, manchmal gar ein bisschen belehrend wurden, setzten die Akteure auf die Sinne der Zuschauer. Zu sehen gibt es genug: In erster Linie natürlich das lebhafte Spiel der hervorragenden Schauspieler, die mit Leichtigkeit gleich in mehrere Rollen schlüpften: …Wunderbar spielt Irina Ries, die gleich in drei koketten Rollen zu sehen ist: Hilde, Inge und Coco, alle drei sind Geliebte  des Staatsanwalts…
Knallereien, Farben, Musik:Das ist das Beste, was einem bisweilen sperrigen Stoff passieren kann. Schließlich hält sich das Publikum nicht in einer Vorlesung auf, sondern im Theater.“
Gießener Anzeiger (Ulla Hahn-Grimm), 10.01.2011

„Kein öder Land in dieser Zeit.
Der Wutbürger steht auf im Lande, aber der interessiert den Grafen Öderland eigentlich nicht. Er will nicht Symbolfigur sein, und schon gar nicht will er Verantwortung tragen, außer für sich. Er will einfach nur leben, als könnte das Leben selbst dem Leben Sinn geben….
Es ist immer dieselbe Frau, die ihn begleitet (Irina Ries als Hilde/Inge/Coco), es ist immer dieselbe (Kyra Lippler als Elsa), die ihn betrügt, und immer derselbe Nicht-Freund (Roman Kurtz als Doktor Hahn), der ihr assistiert.
Der „Graf Öderland“ setzt im Stadttheater Gießen etliche erfreulich offene Fragen in die Welt.“
FR (Hans-Jürgen Linke), 10.01.2011

„»Graf Öderland«: Alles nur geträumt?
Mit Marilyn-Monroe-Charme verkörpert Irina Ries die drei Gespielinnen des Aussteigers, allesamt in unschuldigem Weiß gekleidet. Insgesamt 26 Figuren hat Frisch für seine »Moritat« vorgesehen,… die sie allesamt sehr sauber zeichnen.“
Gießener Allgemeine (Marion Schwarzmann), 09.01.2011

„Wehe wenn er losgelassen- Max Frischs „Graf Öderland“ wütet im Stadttheater Gießen
…Die Stimmungen unterstreichend erklang Fabian Kühnleins akustische Untermalung: Schüsse hallten durch die Abwasserkanäle, der Santorin-Jingle erinnerte an das uneinlösbare Versprechen einer unbeschwerten Zeit auf der Mittelmeerinsel, dem Sehnsuchtsziel des Staatsanwaltes, und unheilvoll gruselig erschallte der Kinderreim der schönen Köhlerstochter vom axtmordenden Grafen Öderland….
Irina Ries als junge Versuchung suchte den Staatsanwalt gleich in drei Rollen heim und versprühte die gleichwohl unschuldige wie gierige Lebensfreude, nach der dieser sich so sehnte.
Regisseur Dirk Schulz‘ gelungene Inszenierung des schwierigen Stoffes schaffte es das Premierenpublikum durchweg zu fesseln, was es mit lang anhaltendem Schlussapplaus belohnte. Auch wenn bei der Premiere vordergründig viel gelacht wurde, blieb einem beim späteren Nachsinnen doch der eine oder andere- beim Ernst der Thematik unangebrachte- Lacher noch nachträglich im Halse stecken.“
Gießener Zeitung (Christiane Kowollikam), 10.01.2011

Neujahrsempfang mit „Liebe und andere Hobbies“

Montag, 17. Januar 2011

„Rabenschwarz und pointiert
Das Frauenkulturzentrum öffnete am Samstag seine Türen zu einem Neujahrsempfang mit kultureller Note, die punktgenau zu dem Programm des Elisabeth-Selbert-Vereins passte. Irina Ries, Mitglied des Schauspielerensembles am Stadttheater, präsentierte, begleitet von Marion Bathe, ihr Programm „Die Liebe und andere Hobbys“.
Rabenschwarz und böse sind die Lieder von Georg Kreisler, ironisch pointiert und passgenau dazu waren die Gedichttexte von Erich Kästner, die Irina Ries in ihrer „One-Woman-Show“ zusammengestellt hatte. Der Neujahrempfang war die richtige Plattform für eine gnadenlose Abrechnung mit dem scheinbar stärkeren Geschlecht der Männer. Mit sichtlichem Vergnügen präsentierte die Schauspielerin ihr eigenes kleines Programm, mit dem sie zuvor in der Reihe „Foyer um fünf“ im Stadttheater im vergangenen Jahr aufgetreten war.
Natürlich durfte „Tauben vergiften“ in der Rubrik „Hobbys“ nicht fehlen, das wohl bekannteste Kreislerlied… Manche Lieder, wie auch „Bidla Buh“ hatte Ries in eine Frauenvariante umgetextet und mit Lokalkolorit versehen, was bei dem rein weiblichen Publikum ankam…“
Gießener Anzeiger (Barbara Czernek), 17.01.2011

Amadeus – Kritiken

Dienstag, 02. November 2010

„Theatrale Sternstunde
Inszenierung von Shaffers „Amadeus“ in Gießen
Nach zweieinhalb Stunden intensivem und blutvollem Theater bedankte sich das volle Haus am Samstag mit Bravorufen und nimmermüdem Applaus. Die Neuinszenierung von Peter Shaffers Schwarzer Komödie „Amadeus“ durch Astrid Jacob mit Roman Kurtz als charismatischem Komponisten Salieri wurde zu einer theatralen Sternstunde im Stadttheater Gießen…
Schlüsselszene voller glaubhafter Emotion ist die Begegnung Salieris mit Mozarts Gattin.
Constanze, die ihm die Noten ihres Gatten vorlegt und bereit ist, für eine Anstellung ihres Gatten dem eigentlich keuschen Hofkomponisten zu willen zu sein…
Irina Ries ist hier kämpferische und mutige Frau, die in ihrer Haltung dem arroganten Salieri Paroli bietet. Im Schlussbild nimmt sie den toten Mozart in ihrem Schoß, das rührende Bild einer Schmerzensmutter…“
mittelhessen.de (Peter Merck), 01.11.2010

„Keine Anklänge an opulentes Rokoko
…Mit Anmut und dem Selbstbewusstsein einer jungen Frau spielt Irina Ries Mozarts Frau Constanze, die nicht so leichtlebig ist wie ihr Mann und sich den Nachstellungen durch Salieri mit entwaffnender Freizügigkeit erwehrt…“
Gießener Anzeiger (Thomas Schmitz-Albohn), 01.11.2010

Die Orestie – Kritiken

Donnerstag, 09. September 2010

„Faszination des Blutes
Stadttheater Gießen zeigt „Orestie“ von Aischylos
Gebannt verfolgte das Premierenpublikum die zweieinhalbstündige Aufführung, mit der die neue Spielzeit eröffnet wurde, und dankte am Ende mit lang anhaltendem, herzlichem Applaus. Und den hatte sich das Gießener Schauspielensemble auch verdient, denn es liefert unter Georgis Regie eine geschlossene Leistung ab und verwandelt die gewiss nicht einfache Vorlage in ein Stück sehens- und vor allem hörenswerter Schauspielkunst…
Prägnant im Ausdruck und scharf akzentuierend – das ist Petra Soltau im zweiten Teil als Chor der Frauen. Und im dritten Teil bietet sie zusammen mit Irina Ries als Chor der Erinyen ein Kabinettstückchen in souveräner, sprachlicher Gestaltung, dem es sogar nicht an Humor fehlt.“
Gießener Anzeiger (Thomas Schmitz-Albohm), 06.09.2010

„Stadttheater eröffnet mit der »Orestie« von Aischylos die Spielzeit
Mit einem Paukenschlag hat das Stadttheater am Samstag die aktuelle Spielzeit eröffnet. Regisseur Titus Georgi fordert mit seiner Inszenierung der »Orestie« von Aischylos das Publikum heraus
Georgi kostet die archaische Brutalität der antiken Tragödien-Trilogie exzessiv aus, lässt Blut, Schweiß und Tränen im Übermaß fließen und schafft so eine Version dieses Stücks Weltliteratur, die für Gesprächsstoff sorgt. Was will man mehr verlangen vom Theater?! Für manch einen in der Premierenvorstellung war dies zu viel, und als das Blut eimerweise ausgekippt wurde, verließen Vereinzelte den Saal…
Im dritten Teil, den »Eumeniden«, klagen Soltau und Irina Ries als »Chor der Erinyen« den Muttermörder Orest als Seelenquälerinnen an. Da heißt es aufpassen, denn jeder Satz hat hier Gewicht, erfordert volle Konzentration – von Schauspielerin und Publikum gleichermaßen.
Irina Ries kann sowohl als trauernde Elektra überzeugen als auch später im Zusammenspiel mit Petra Soltau als furiengleiche, personifizierte Gewissensbisse. Das Premierenpublikum quittierte gegen 22.30 Uhr den »gewaltigen Brocken«, den Georgi und das fast vollzählige Ensemble serviert hatten, mit wohlwollendem Applaus. Auch ohne seherische Fähigkeiten lässt sich prophezeien, dass diese Inszenierung für Gesprächsstoff sorgen und noch lange in Erinnerung bleiben wird.“
Gießener Allgemeine (Karola Schepp), 05.09.2010

Woyzeck – Kritiken

Donnerstag, 22. April 2010

„Endzeitstimmung auf der Müllhalde
Menschen ohne Zukunft: Thomas Goritzki inszeniert Büchners „Woyzeck“ am Stadttheater als radikales Sozialdrama
Thomas Goritzki, in Gießen für seine konsequenten und manchmal auch provozierenden Inszenierungen bekannt, hat sich diesmal Büchners »Woyzeck« angenommen, dem deutschen Sozialdrama schlechthin, und er zeigt eine Gesellschaft am Rande des Abgrunds, wie sie heutiger gar nicht sein kann.
Milan Pešl gibt mit seinem Woyzeck in Gießen ein Debüt nach Maß. Goritzki spart nicht mit Brutalität, zeigt sogar gleich zweimal eine schockierende Vergewaltigung – die von Marie und die von Woyzeck. In beiden Fällen ist der Tambourmajor der Täter, der als Mann seine Macht beweisen muss. Gunnar Seidel wächst in dieser Rolle schier über sich hinaus…
Ein trostloser, stinkender Ort vor den Toren der Stadt, an dem Marie vom Geschrei ihres Babys total genervt ist. Irina Ries legt in ihrer sensiblen Darstellung die Zerrissenheit dieser vollkommen überforderten jungen Frau anrührend offen, die Trost im Alkohol sucht, weil sie ihn weder in ihren Liebschaften noch in der Bibel finden kann.
Als nach 90 Minuten intensiven Spiels das Licht langsam ausgeht, weicht allmählich die Beklemmung und das Premierenpublikum spendete allen Beteiligten den verdienten, langen Applaus – Bravos für die beiden Hauptdarsteller inbegriffen.“
Gießener Allgemeine (Marion Schwarzmann), 21.09.20

„Büchner ohne Büchner zwischen Müll, Suff und Gewalt
Gastregisseur Thomas Goritzki verlegt „Woyzeck“ in Endzeit-Gesellschaft
So wenig Büchner war noch nie.
Irina Ries als Marie muss meistens aus der Bierflasche trinken und als überforderte Mutter ihr Baby anschreien. Die sich in die Länge hinziehende Mordszene ist nicht ohne Wirkung.“
Gießener Anzeiger (Thomas Schmitz-Albohm), 21.09.2009

„Gießener „Woyzeck“ setzt auf absolute Schonungslosigkeit
Schockierend, schonungslos, skandalös – mit diesen Begriffen kann man die aktuelle „Woyzeck“-Inszenierung von Regisseur Thomas Goritzki am Gießener Stadttheater, die am Samstagabend Premiere feierte, am Besten beschreiben.
Hier kämpft Jeder gegen Jeden, es geht um das nackte Überleben, die Menschen definieren sich nur noch durch sexuelle und körperliche Gewalt sowie den Alkohol. Der fließt auf der Bühne in Strömen, selbst Marie (Irina Ries) kann nicht von der Flasche lassen, während ihr Kind vor Hunger schreit… Es ist keine zarte Liebesgeschichte zwischen dem Tamburmajor (Gunnar Seidel) und Marie, keine heimliche Affäre. Es ist kein Liebesspiel, das auf der Gießener Bühne zelebriert wird, vielmehr ist es eine brutale Vergewaltigung,..
Als sei die Darstellung von roher Gewalt nicht schon genug, sind es die Darsteller, die dem Ganzen Nachdruck verleihen: Einer schreit lauter als der andere, einer versucht den Nächsten an Wahnsinn zu übertreffen. Zwar mag dies zunächst wirr und platt wirken, dennoch bekommt die Aufführung dadurch ein neues Maß an Intensität. Wer Büchners „Woyzeck“ zu kennen glaubte, der bekommt in Gießen eine völlig neue Facette gezeigt. Die Aufführung jedenfalls brennt sich tief in Kopf und Seele ein, geht unter die Haut und mag einen kaum noch loslassen. So kann und darf Theater sein: Schockiernd, aufrüttelnd und schonungslos.“
Gießener Zeitung (Sabine Glinke), 23.09.09

Das kunstseidene Mädchen – Kritik

Donnerstag, 15. April 2010

„Bravouröses Solo für Irina Ries.
Christian Fries gelingt im Til mit „Das kunstseidene Mädchen“ eine herausragende Bühnenfassung von Irmgard Keuns Roman.
Fries inszeniert das Stück sehr formal strukturiert. Er emotionalisiert und psychologisiert nicht, sondern geht durch rhythmisierte Sprachbehandlung – oft werden einige Sätze und Worte auch in der Modulation musikalisiert – durch dezent stilisierte Bewegungen und das Stellen von fast unbewegten Bildern einen anderen Weg.
…der Monolog entfaltet seine Wirkung gerade durch die Wahrung einer gewissen Distanz. Das Schicksal von Doris – die Vereinsamung, das Unterhalten von auf Ökonomie gerichteter Männerbeziehungen, der Weg in den Alkohol – bewegt trotzdem.
Irina Ries (Doris) bewältigt – bis auf einen kleinen Textriss in der Premiere – den Monolog mit Bravour. Mit jedem Szenenwechsel in der Erzählung schlägt sie einen anderen Ton an. Mit Genauigkeit werden auch die Bewegungen ausgeführt. Obendrein hauchen die Ausstrahlung der Darstellerin sowie deren eindringliche innere Haltung zu Text und Geschehen der Bühnenfigur Leben ein.
Fries findet immer wieder erstaunlich treffende Bilder für die erzählten Stationen, die über die Szenerie hinaus die seelischen Befindlichkeiten von Doris anschaulich erfassen.
Das sofortige Hereinspringen in Situationen, Momentaufnahmen.
Dementsprechend hat der Regisseur die Szenen „geschnitten“ oder „geblendet“. Die künstlerische Gesamtkonzeption geht auf. Wohlverdient lang anhaltender Applaus für das das 90-minütige Bühnensolo von Irina Ries und für Regisseur Christian Fries.“ Gießener Anzeiger (Löchel) 26.09.2009

Von der Liebe und anderen Hobbies – Kritiken

Donnerstag, 15. April 2010

„Irina Ries als charmante Sängerin.
Kein Stuhl war mehr zu ergattern, als es am Freitag im Stadttheater wieder hieß „Foyer um fünf“. Vielleicht lag es daran, dass sich diese kleine Veranstaltungsreihe immer mehr herumspricht, vielleicht lockte auch diesmal das Programm ganz besonders: Texte und Lieder von Erich Kästner und Georg Kreisler waren angekündigt. Dass dann aber die Solistin Irina Ries, am Stadttheater eigentlich als Schauspielerin engagiert, eine so charmante sängerische Leistung präsentierte, war dem Publikum einen Sonderapplaus wert. Die zuverlässige Begleitung am Klavier hatte Marion Barthe übernommen.
…Und Irina Ries hat sich zur Gestaltung eines zeitgemäßen Programms einiges einfallen lassen. So dichtete sie einige Zeilen um, wogegen die Autoren sicher nichts eingewendet hätten; diese nahmen selbst hin und wieder an ihren Texten noch einmal Aktualisierungen vor. Der Rollentausch erwies sich als besonders erfrischend: Wenn statt Georg Kreisler eine Frau das Programm vorträgt, werden natürlich die Männer zu Opfern, erschossen, vergiftet, aufgehängt.
Das Publikum applaudierte amüsiert.“ Lauterbacher-Anzeiger.de (uhg) am 15.03.2010

„Rappelvoll war am Freitag um fünf das obere Foyer des Stadttheaters bis in die beiden Rangumgänge hinauf.
Schauspielerin Irina Ries hatte ein Programm zusammengestellt, das gelesen und gesungen die Kongruenz von Georg Kreisler und Erich Kästner verdeutlichte.
Amüsiert lauschte das Publikum im oberen Foyer der Interpretin Irina Ries.
Dabei ließ sie sich von Marion Bathe am Flügel begleiten, die wahrlich mehr als nur eine versierte Begleiterin war.
…und fesch war in der Tat die köstliche Dreiviertelstunde, die das Publikum genoss.
Da wird geliebt, gehasst, gegrinst, gejammert, gelacht und geweint, bis der Tod das Regiment übernimmt, und gelte er auch nur den vergifteten Tauben im Park.
Beiden – Kreisler und Kästner – ist die Ironie eigen, die kabarettistische Distanz, und dem Duo Ries-Bathe gelang es, dies auf heitere Art zu vermitteln.“ Gießener-Allgemeine.de (hpg) am 14.03.2010