Mit ‘Kritiken’ getaggte Artikel

Pressestimmen zu „Vorzimmergeschichten“

Dienstag, 21. September 2021

Rollenwechsel auch mal mitten im Song – GAZ, 15.09.2021 von Barbara Czernek

Große Schauspiel- und Gesangskunst bot Ries in ihrer Eigenproduktion „Vorzimmergeschichten“ […]

Irina Ries überzeugte in verschiedenen Rollen bei ihrem szenischen Liederabend unter dem Titel „Vorzimmergeschichten“. (Foto: Czernek)

GIESSEN […] Ein Schal, lässig um den Kopf gelegt, oder eine Pelzjacke genügen, um [Ries] in eine andere Person zu verwandeln. Manchmal genügt schon eine Drehung oder das Verrutschen des Tuches: Der Ausdruck ist ein völlig anderer und eine andere Figur nimmt die Bühne ein. […]

Da ist die Burschikose, die Mondäne, die Therapeutin oder die Amerikanerin: Alle haben einen Termin oder warten auf ihn und geben ihren Gefühlen, Sehnsüchten oder Liebeleien musikalisch freien Lauf. Die musikalische Bandbreite reicht von Liedern der 20er Jahre über Hildegard Knef bis hin zu Joe Cocker. Sorgsam und mit Bedacht haben Ries und Pianist Christian Keul die 23 Titel der kleinen Revue ausgewählt und arrangiert. Das musikalische Kleid ist anspruchsvoll, passt ihr aber mit jeder Note, die sie singt, haucht oder spricht. Ihre musikalische Wandlungsfähigkeit stellte sie stetig und rasant unter Beweis, da sie sogar teilweise mitten im Lied die Figur wechselte. […]

Beziehungskisten – GA, 19.07.2021 von Volker Heller

Irina Ries verzaubert im Hofgut-Theater Rabenau mit dem neuen Bühnenprogramm »Vorzimmergeschichten«.

RABENAU […] Irina Ries (Gesang) und Christian Keul (Piano) lieferten mit ihrem brandneuen Kleinbühnenprogramm »Vorzimmergeschichten« ein wahres Feuerwerk beziehungsschwangerer Liederkost. Das Publikum war hellauf begeistert. […] Die mobile Bühneneinrichtung sowie unterschiedliche Kostüme besorgte Thomas Döll, Bühnenbildner […]“

 

Junge und alte Dame in einer – Gießener Anzeiger, 12.07.2021 von Heiner Schultz

„Vorzimmergeschichten“: Sängerin und Schauspielerin Irina Ries begeistert im Gießener Astaire’s in ihrem neuen Stück mit zahlreichen Stil- und Kostümwechseln.

Irina Ries liebt es, in verschiedene Rollen zu schlüpfen, hier begleitet von Christian Keul am Klavier. (Foto: Schultz)

GIESSEN – Der Samstag war ein wichtiger Tag in der Geschichte der Stadt: Nachdem am 14. März 2020 Irina Ries im Astaire’s mit „Lola Blau“ die allerletzte Theatervorstellung vor dem Lockdown gegeben hatte, hatte sie jetzt Premiere mit ihrem neuen Stück „Vorzimmergeschichten“, wieder mit Christian Keul am Klavier, in der Regie von Jens Ravari. Das Publikum im sehr gut besuchten Hause applaudierte nicht erst am Ende heftig. […] Das Duo hatte ja damals bereits mit Georg Kreislers Einmannrevue „Lola Blau“ in Gießen einen glänzenden Erfolg gefeiert.

[…] Keul, ein versierter und eleganter Pianist, legte gleichsam einen wertvollen musikalischen Teppich aus, der den aufmerksamen Zuhörer schon jetzt für sich einnahm: Es würde also sehr gute Musik zu hören geben.

Ries öffnete mit dem Song von Hildegard Knef: „Im achtzigsten Stockwerk[…]“ Mit diesem sehnsuchtsvollen Auftakt legt Ries eine melancholische Note vor, zwanglos und authentisch und zugleich packend. Man kann sich leicht auf diese Stimmung einlassen, obgleich Melancholie nicht der Tenor der Show bleibt. Ries, die mit zahlreichen Kostümwechseln mehr als gut zu tun hat, wechselt von eleganter Dame in Pelzjacke zu jungem Mädchen in Latzhose zu sehnsuchtsvoller „knefiger“ Dame in Wollmantel und Kopftuch […] hin und her. Dabei agiert sie szenisch versiert und schwungvoll und präsentiert eine reiche Auswahl an mimischen Elementen – sie hat alles drauf, was gebraucht wird. Sie illustriert nicht, sondern spielt sozusagen die Lieder, die neben ihr die Hauptattraktionen der Show sind.

Ries singt und spielt die kleinen Geschichten mit einer ansteckenden Riesenenergie. Christian Keul macht sich in ein paar der Umziehpausen selbstständig und groovt hochwertig vor sich hin, um dann dramaturgisch nahtlos zur Begleitung zurückzufinden; ein Genuss.

Die Hauptattraktion ist der Gesang. Ries, zwar nicht bestens disponiert, liefert dennoch alles mit einer großartigen intuitiven Genauigkeit ab, die den Zuhörer nur restlos erfreuen kann. So sorgfältig intoniert sie die Texte, so minutiös erarbeitet sie alle Nuancen, dass man widerspruchslos in diesen Geschichten versinkt, die das Leben auf so unnachahmlich kunstfertige Weise interpretieren und karikieren, dass man mehr als einmal unwillkürlich lachen muss.[…]

Intelligente Unterhaltung

Hier nimmt man ihre exzellente Fähigkeit wahr, englische Texte makellos und sprachlich perfekt auf den Punkt zu bringen, geradezu liebevoll ist das gemacht und selten. Hinzu kommt ihre choreografische Umsetzung der Sache, die ein einziges großes Vergnügen ergibt. […]

Zwischendurch ändert Ries szenengerecht ihr Alter und natürlich ihre ganze Art, sie macht nicht auf junge Frau, sie ist dann eine. Irina Ries präsentiert mit ihrem neuen Programm eine sehr intelligente Art der Unterhaltung, die keinen einzigen langweiligen Moment bringt, dafür aber reichlich geistreiche Erinnerungen. Am Ende Riesenbeifall für beide Akteure, sie müssen mehrmals rauskommen.“

weitere Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater in Siegen

Montag, 04. November 2019

Mit Lola durch bewegte Zeiten

Irina Ries und ihr Pianist Christian Keul interpretieren im Bruchwerk Theater das Musical „[Heute Abend:]Lola Blau“ von Georg Kreisler neu und ernten am Ende Stürme der Begeisterung

Siegen. Das bewegte Leben einer jüdischen Sängerin während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit darzustellen, die Schauplätze von Österreich über die Schweiz in die USA, dann wieder zurück nach Wien, Budapest und Berlin zu verlagern, geht das? Es klappt – und zwar vortrefflich – wenn eine solch vielseitige Verwandlungskünstlerin wie Irina Ries auf der Bühne agiert. Die noch dazu von einem Tasten-Künstler wie Christian Keul begleitet wird, der in seiner trocken-lakonischen Art in verschiedene Nebenrollen schlüpft. Mal in eine Concierge, dann in einen Briefboten mit mehr oder weniger guten Botschaften, zwischendurch auch als Ausrufer mit dem Megaphon.

„Ich habe Angst vor den vielen Schmidts.“,Irina Ries in ihrer Rolle als Lola Blau

Georg Kreisler der 1922 geborene und 2011 verstorbene österreichische Komponist, Dichter und Sänger, steht für rabenschwarze, manchmal auch sehr böse, anarchistische Texte. Sein bekanntestes Lied wurde „Tauben vergiften im Park“. Sein Musical „Lola Blau“ wurde 1971 uraufgeführt und passt perfekt in kleine Theater. Texte und Lieder sind vorwiegend deutschsprachig, passend auch zum Leben Kreislers, der mit seinen Eltern wegen deren jüdischer Herkunft 1938 in die USA emigrierte und 1955 nach Europa zurück kam.

1938 beginnt auch die in „[Heute Abend:] Lola Blau“ erzählte Geschichte einer Wiener Sängerin, deren Karriereträume in ihrem Heimatland zerplatzten, weil Österreich von Nazi-Deutschland „Heim ins Reich“ geholt hatte. Das Hakenkreuz ist allgegenwärtig. Aus dem Megaphon erscheinen in nervender Lautstärke Heil-Hitler-Rufe und aus dem Volksempfänger „Die Fahne hoch“ im Marschrhythmus. An Lolas Reisekoffer klebt der gelbe Judenstern, als sie in die neutrale Schweiz reist und Konzerte gibt. Doch der lange Arm der Nazis erreicht sie auch dort. Die Fremdenpolizei Zürich gibt ihr 24 Stunden bis zur Ausreise.

Die USA werden ihre neue Heimat, ihre geliebten Leo muss sie zurücklassen. Lolas Reisekoffer ziert inzwischen die amerikanische Flagge. Sie tritt in Las Vegas und New York auf. Herrlich, wie Irina Ries dabei im Dirndl und in alpenländisch eingefärbtem Englisch „Sex is a wonderful habit“ interpretiert. Doch in Wirklichkeit ist sie todunglücklich die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 erweckt bei Lola Blau Glücksgefühle. „Heut werd ich mich besaufen“, singt sie und nimmt das so wörtlich, dass sie alkoholbenebelt am Boden liegt. Und auch diesen Zustand verkörpert Irina Ries perfekt.

Und Leo? Sein Anruf aus Wien und ihre vorsichtige Annäherung an ihn gehört zu den innigsten Minuten des Abends. Zurückgekehrt nach Wien, merkt sie: Theater ist so ziemlich das Letzte, was die Menschen in der Nachkriegszeit brauchen. Sie bekommt eine Absage nach der anderen, versucht sich in Operettenrollen, um schließlich im „Kaiserschmarrn“ in Wiens 4. Bezirk zu landen. Als Kabarettsängerin.

Aber auch politisch zerplatzt in Lola Blau manche Hoffnung. „Ich hab Angst vor den vielen Schmidts“, singt sie und meint damit die Bürger, die die Nazizeit verharmlosen und sich ihrer Verantwortung für die Vergangenheit nicht stellen. Und Leo, den sie in Wien treffen wollte? Ob er kommt, bleibt offen. „So ist das Leben“, resigniert sie.

Von all den vielen Kreisler-Liedern, die Irina Ries an diesem Abend präsentiert, bleibt vor allem „Im Theater ist nichts los“ im Kopf der Besucher. Im Bruchwerk Theater ist jedoch umso mehr los. Eine Künstlerin, die in unzählige Kostüme schlüpft. Dabei stets auch ihre Persönlichkeit verändert, schweizerisch, berlinerisch, wienerisch und noch andere Dialekte kann, mal brav und bieder und dann frivol verrucht daherkommt, die sich verletzlich und direkt danach euphorisch aufgeladen zeigt, lässt die Zuschauer fast atemlos werden.

Dass sie und ihr Piano-Mann Christian Keul ohne jegliche Mikros, dafür aber perfekt ausgeleuchtet agieren, macht sie beweglicher, lässt sie noch dichter an das Publikum herankommen und setzt der Inszenierung das Sahnehäubchen auf. Deren Emotionen entladen sich durch lautes Bravo und rhythmisches Fußtrampeln.“

von Wolfgang Leipold, Westfalenpost, am 16.09.2019

Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater, Siegen

Donnerstag, 03. Oktober 2019

„“Eine Nachricht für Lola Blau“ SIEGEN Das Bruchwerk-Theater eröffnete die neue Spielzeit mit einem Stück von Georg Kreisler
Das Publikum belohnte die gelungene Premiere mit tosendem Applaus.
[…] Das Bruchwerk-Theater startete am Sonntagabend mit der Premiere des Ein-Personen-Stückes in die neue Spielzeit und erzählte die besondere Geschichte einer jüdischen Künstlerin, die ihre Heimat kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verlassen musste und sich auf die Suche nach Akzeptanz und Erfolg machte.
Im „Bruchwerk“ schlüpfte die professionelle Theaterschauspielerin Irina Ries, die in diesem Jahr bereits in dem Stück „Beben“ in Siegen zu sehen war, in die Rolle der Lola Blau. Begleitet wurde sie am Klavier von Christian Keul. […]
Seit seiner Uraufführung im Jahre 1971 in Wien hat das Stück nicht an Aktualität verloren. Mit viel Humor, Charme aber auch Tiefgründigkeit entführte Irina Ries das Publikum in eine andere Zeit, in der man nicht „allen alles sagen“ konnte, wie sie in einem der zahlreichen Lieder singt.
Die Künstlerin unterhält das Publikum aber nicht nur mit Ihrer geschulten Musical-Stimme, sondern auch mit ihren authentischen Dialekten, wie dem der Frau Schmidt: eine Österreichische Frau, die lieber alles beim Alten lassen will, statt offen für Neues zu sein.
Das Theaterstück hat überraschend viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft und spielt mit Provokation und Offenheit. Das Publikum belohnte diese Schauspielerische Leistung mit tosendem Applaus und bestätigte die Erkenntnis Kreislers: „Im Theater ist was los!““
von Kiana Nourishad, Siegener Zeitung, am 16.09.2019