Mit ‘Irina Ries’ getaggte Artikel

Kritiken zu FISCHE in Siegen

Montag, 26. Oktober 2020

„Große Schauspielkunst mit schwachen Texten.
[…] viele Lichtblicke: Irina Ries und Lisa Sophie Kusz, beide schon mehrmals im Bruchwerk zu sehen, sind Schauspielerinnen, die ihre Rollen mit Haut, Haaren und Seele verkörpern, in sie hineinkriechen: Viel Text, zum Teil von beiden synchron gesprochen, Gesang, Gestik, Mimik, vor allem Gefühl. Ihr Kuss, lang und innig, lässt ahnen, welch tiefe Liebe Fisch und E füreinander empfinden. […] Der lange Beifall gilt vor allem Irina Ries und Lisa Sophie Kusz, Regisseur Milan Pešl und dem Bruchwerk-Team, das sich zum Saison-Auftakt einen nicht gerade leichten Theaterstoff ausgesucht hat.“
Westfalen Post, Wolfgang Leipold, 21.09.2020

„Faszination der Andersartigkeit – Premiere des Stückes FISCHE von Nele Stuhler am Bruchwerk Theater Siegen.
[…] Überhaupt spielt der Sprachrhythmus in diesem Stück eine wichtige Rolle und verlangt den Schauspielern, die auch körperlich durchaus gefordert werden, einiges ab. […] „ Ich fand es gut“, lobte [die Autorin] das Ensemble. Die Zuschauer waren allerdings geteilter Meinung. Während einige stehend applaudierten, konnten andere mit dieser Art des Schauspiels wenig anfangen. So gilt offensichtlich auch hier: Es ist kompliziert.“
Siegener Zeitung, ba, 21.09.2020

Irina Ries, Lisa Sophie Kusz © Bernd Dreseler, 2020

„Atmen“ in ungewissen Zeiten, Kritik zum Onlinestream aus dem Bruchwerk Theater

Samstag, 09. Mai 2020

Milan Pešl und Irina Ries zeigten im Bruchwerk-Livestream mit dem Stück „Atmen“, dass Theater auch in Krisenzeiten für die Menschen da sein kann.

Siegen. „Du sprichst über deine Gefühle“, sagt sie. „Tut mir leid“, sagt er. „Nein, das ist toll“, erwidert sie lachend. Dieser Dialog-Ausschnitt kann beinahe stellvertretend stehen für das gesamte Theaterstück „Atmen“ von Duncan Macmillan. Das Bruchwerk-Theater Siegen machte am Donnerstagabend das Drama zwar digital, aber doch ergreifend nah erfahrbar. Aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen verlagerten die Siegener Theatermacher die szenische Lesung in einen Youtube-Livestream. Kostenlos, gleichwohl spendenbasiert. Auf der minimalistischen Bühne saßen die beiden einzigen Darsteller auf einem Sofa, voneinander getrennt durch eine verschwommen-durchsichtige Folie. Ausgestattet mit Text und Mikrofon, wurden die beiden unterstützt von eingespielten Hintergrundgeräuschen, was an ein Hörspiel erinnerte.

Emotionales Gewitter durch den Bildschirm

Die Geschichte der beiden Figuren ist geprägt von vielen Emotionen und sehr eingängigen Textpassagen. Anfangs ein wenig holprig, läuft es bald rund mit dem ungewohnten Textwerk. Es scheint beim Zuschauen, als sei man als unsichtbarer Beobachter in einen intimen Dialog geplatzt. Mitten hinein in ein Gespräch, das um ein Thema kreist, das in den meisten Beziehungen früher oder später aktuell wird: Man spricht über Kinder. Ist es gerechtfertigt, in die heutige Welt ein Kind zu setzten? Es „dem Ganzen“ (der Umweltverschmutzung, dem CO2-Gehalt der Atmosphäre …) auszusetzen? Das ist der Tenor, der in jeder Silbe mitschwingt und der Bezug nimmt auf die jetzige Lage, ob beabsichtigt oder nicht.

Authentisch und lebensnah

Das junge Paar – er Musiker, sie Studentin – ist mit seinen Sorgen erfrischend authentisch. Die Gespräche sind feinfühlig und schwer emotional. Doch sie erwecken beim Zuschauer das Gefühl, als ob ein Leben lang ein Tonband mitlaufen würde, dessen einzelne Streifen hier zum Vorschein kommen, so lebensnah und gefühlvoll ist es bis zum Schluss. Irina Ries und Milan Pešl überzeugen so in ihren Rollen, dass man, wenn man die Augen schließt und sich ganz auf die Geräusche und Stimmen einlässt, die beiden Charaktere lebhaft vor sich stehen sieht. Mit zurückhaltender, aber akzentuierter Gestik und Mimik unterstreichen die beiden Darsteller die emotionale Zerrissen- oder Verbundenheit, ganz wie es die Szenen verlangen, bis zum Schluss. Das Spiel scheint wie gemacht für eine Lesung, und auch durch den Stream ist man ergriffen von der emotionalen Nähe des Stücks. Ähnlich sehen es auch viele andere Zuschauer, die während und nach dem Stück viele lobende Worte haben.

Zuschauer in Livechat eingebunden

Nach dem Stück hatte das Publikum die Möglichkeit, im Chat Fragen an das Darsteller-Paar zu richten, was gerne genutzt wurde. Milan Pešl, künstlerischer Leiter des Theaters, kündigte bei dieser Gelegenheit an, dass jetzt jeden Donnerstagabend ein Stream geplant sei. Mal theatralisch, mal musikalisch (in der kommenden Woche). Erneut hat das Team des Bruchwerks mit einer großartigen Vorstellung bewiesen, dass Theater auch in diesen ungewissen Zeiten für die Menschen da sein kann.“

von Florian Broda, Siegener Zeitung 03.04.2020

„Bei Anruf aus Gießen Konzert und große Freude“, Bericht von Heiner Schultz

Mittwoch, 15. April 2020

„Zu Ostern war diesmal nichts wie immer, auch nicht in Gießen. Dort hatten sich nämlich Musiker des Stadttheater-Orchesters etwas Schönes einfallen lassen. Unter dem Motto „Bei Anruf Konzert“ gaben sie Menschen am Telefon ein Konzert.

Irina Ries und Alexander Schmidt-Ries haben Riesenspaß im eigenen Wohnzimmer.

GIESSEN. Zu Ostern war diesmal nichts wie immer, auch nicht in Gießen. Dort hatten sich nämlich zahlreiche Musiker des Stadttheater-Orchesters etwas Schönes einfallen lassen. Unter dem Motto „Bei Anruf Konzert“ gaben sie Menschen am Telefon ein Konzert, richtig live und ganz exklusiv. Der Anzeiger hörte genau zu.

Unter der Woche war das Ganze gut vorbereitet worden. Hornist Martin Gericks organisierte die Einrichtung einer Telefonnummer im Theater, auf einer Internetseite standen die wünschbaren Titel bereit. Die Profis erhielten eine Liste von Nummern und Namen, die sie dann am Samstag zwischen 12 und 18 Uhr zurückriefen.

Die erste Station waren Ina Füss und Stefan Schneider. Sie hatten Stücke für Violine und Gitarre vorbereitet. „Guten Morgen, hier ist Ina Füss vom Stadttheater, Sie hatten einen Wunsch für Klara?“, sagt die Violinistin kurz nach 12 Uhr freundlich ins Telefon. Eine ganz junge, aufgeregte Stimme antwortet und ruft Klara ans Telefon. Sie sei gerade 19 Jahre alt. Füss und Schneider haben schon alles vorbereitet, Noten auf dem Ständer, und kurz bevor der Reporter kam, spielten sie alles nochmal durch. „Wir spielen jetzt Oblivion von Piazzolla“, sagt Füss, und dann geht’s los. Zart und anmutig klingt es, wirklich sehr schön, Schneider hat den Titel eigens für diesen Anlass mit Violine und Gitarre arrangiert, eine echte Premiere, und einen Soundcheck mit dem Nachbarn gemacht. „Hat’s gefallen?“ fragt Füss hinterher, und Klara antwortet, „Wunderschön, es hat uns toll gefallen, vielen, vielen Dank. Leider sind wir nur zu weit, da fiel unser Beifall nicht so groß aus.“ Die Musiker lächeln fröhlich: „Uns hat es total viel Spaß gemacht, für Sie zu spielen“. Auf der Liste stehen noch ein paar Nummern, und die beiden wollen auch noch einige Freunde überraschen.

Nächster Halt: Liebigstraße. Posaunist Alexander Schmidt-Ries und Irina Ries (Gesang) haben eine lange Liste von Wünschen erhalten. „Ohrenstöpsel brauchen Sie nicht,“ sagt Schmidt-Ries. „Wir spielen das ganz leise.“

Und tatsächlich, beim ersten Konzert für eine Familie in Waldsolms mit „Gabriellas Sång“ aus dem Film „Wie im Himmel“ ist alles im Lot. Die klare Sopranstimme erfüllt mit der eingängig volksliedhaften Weise das große Wohnzimmer, und die Posaune schwebt einfach sanft und melodisch mit. Auffällig ist die professionell engagierte Art und Weise, in der auch dieses Duo auftritt, denn für sie sind es ja Auftritte vor Publikum, auch wenn sie ihre Zuhörer nicht sehen. Anschließend warten sie gespannt auf die Reaktion. „Es war wirklich ganz toll“, hört man aus dem Smartphone. „Mein Mann hat das Stück vom Chorsatz für Posaune und Begleitung umarrangiert“, sagt Irina Ries fröhlich lächelnd, schon wieder eine Premiere. „Wir wünschen Ihnen frohe Ostertage“, fügt Schmidt-Ries hinzu.

Es gab alle möglichen Arten von Wünschen: Manche wollten es für sich selbst, für die Kinder, die man nicht besuchen konnte oder für eine ehemalige Opernsängerin im Heim in Annerod. „Die Liste zeigt, dass es einige Leute gibt, die verschiedene Ständchen bekommen,“ sagt Schmidt-Ries. „Und manche haben sich das auch gegenseitig geschenkt. Wir haben offiziell insgesamt 26 Anrufe heute. Aber natürlich haben sich auch unsere Eltern etwas für sich und für Freunde gewünscht.“ Dem Nachbar unten drunter haben sie einen Kuchen gebracht, weil der heute so viel wiederholte Musik hören muss. „Immerhin haben wir vier Titel im Programm und nicht nur einen“, meint Alexander Schmidt-Ries.

Nächster Anruf: bei Familie Schneider in Gießen, die Gershwins unsterbliches „Summertime“ hören möchten. Kein Problem, die beiden bringen es erstklassig rüber und spitzen hinterher die Ohren. „Sie haben uns sehr fröhlich gemacht“, kommt es nach dem Beifall von den Schneiders, die Künstler strahlen.

Aus Werdohl im Sauerland von der Tochter der Familie Jansen kommt der nächste Wunsch, „Always look on the bright side of life“ aus dem Monty-Python-Film. (Schmidt-Ries: „Das ist die Kreuzigungsszene“), und hinterher bedanken sich Frau und Herr Jansen herzlich: „Eine ganz tolle Idee war das, vielen Dank und schöne Ostertage.“ Wer sich zwei oder mehr Titel wünscht, bekommt die auch gespielt. „Wenn wir den Leuten damit eine Freude machen, gerne“, sagt Irina Ries.

Auch ihren Nachbarn tun sie in diesen Zeiten etwas Gutes, wenn sie nämlich immer sonntags kurz nach 18 Uhr („Wenn die Glocken aufhören“) auf dem Balkon spielen. „Morgen zum vierten Mal. Erst zwei Strophen „Ode an die Freude“ und dann was von uns.“ Die Nachbarn sind sehr angetan, sagt Schmidt-Ries, „Wir haben den Text vorbereitet und verteilt. Das ganze Karree bis zur Wilhelmstraße hört immer zu, und viele singen mit,“ freut sich seine Frau. „Man kommt so tatsächlich ins Gespräch und lernt die andern kennen.“ Dieser Ostersamstag wurde jedenfalls durch das Engagement der Orchestermusiker für eine große Zahl von Menschen besonders erfreulich. Und für die Musiker selbst auch.“

Von Heiner Schultz, GAZ, 14.04.2020

„Vorläufig der letzte Vorhang“, Kritik zur LOLA im Astaire’s in Gießen

Dienstag, 14. April 2020

Ein letztes Mal Theater: Die aus dem Stadttheater Gießen bekannte Schauspielerin Irina Ries glänzt in Solo-Stück von Georg Kreisler in Tanzschule Astaire’s. […]

Ries als Lola Blau

(© Katrina Friese, Bild gehört nicht zu dieser Rezension)

GIESSEN. Noch hatte der Corona-Virus das kulturelle Leben am Wochenende nicht gänzlich lahmgelegt. „Heute Abend: Lola Blau“ hieß es am Freitagabend im Astaire’s. Und die Erwartungen des Publikums wurden nicht enttäuscht. Irina Ries präsentierte Georg Kreislers grandioses „Musical für eine Schauspielerin“ mit einer solchen Verve, dass sich die Besucher wie verzaubert dem Schauspiel hingaben, das sich auf der kleinen Bühne in der Tanzschule ereignete.

Professionelle musikalische Unterstützung leistete Christian Keul am leicht verstimmten Klavier. Irina Ries, Jahrgang 1982, stammt aus Wiesbaden, studierte Schauspiel an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München und erhielt vom Deutschen Bühnenverein ein Diplomstipendium. Ihre Bühnenlaufbahn begann sie am Staatstheater Wiesbaden, ab 2011 war sie fest in Gießen engagiert und trat in zahlreichen Schauspielproduktionen des Stadttheaters auf. Die „Lola“ hatte sie in der Regie von Carsten Kochan schon 2013 am Landestheater Eisenach und 2019 in Gießen sowie kleineren Bühnen wie etwa dem Hofguttheater in der Rabenau gezeigt, stets mit größtem Erfolg.

Das ehemalige Ensemble-Mitglied des Stadttheaters zeigt im „Astaire’s“ vom ersten Moment an eine kraftvolle Darbietung. Die melancholische Geschichte der jüdischen Sängerin, die in der Zeit des „Anschlusses“ Österreichs an das Nazi-Regime von Wien aus in die USA emigriert, dort Karriere macht und in die Donaumetropole zurückkehrt, zeigt eine Parallele zum Leben des jüdischen Autors, Komponisten und Kabarettisten Georg Kreisler (1922 – 2011).

Los geht’s mit „Im Theater ist was los“, einem Song, der Aufbruchsstimmung signalisiert: „Ende gut, alles gut, vielleicht komm ich nach Hollywood“, reimte Kreisler, und Ries schlägt mit ihrem enormen Charme und tadelloser Gesangsqualität die Zuhörer in ihren Bann. Keul erweist sich dabei als versierter und sensibler Begleiter, dem auch die schlagerhaften Titel nicht die geringsten Probleme machen. Die Texte skizzieren die Rahmenhandlung, eine Probe im Erwartung des Intendanten, die Irina Ries mit knappen klassischen Requisiten illustriert, darunter auch ein paar schicken Klamotten. Sie agiert mit enormer Präsenz und Spielfreude, zischt von einer Rolle in die nächste – es gibt noch Onkel Paul, die Zimmerwirtin, die schon mal eine Hakenkreuzfahne aufhängt („und in einer Stunde sind’s bitte draußen, Fräulein Blau“), und am Telefon erscheint ab und zu ihr Geliebter, Leo Glücksmann, der ähnliche Probleme bekommt.

Lola und die Kerle

Kreisler geht in der Vorlage mit der ihm eigenen virtuos beißenden Präzision zur Sache, etwa wenn es um die Männer geht. „Brutal“ seien sie, dass sie ein Genie sind, muss man ihnen sagen, – „dann wird ihnen ganz schwummerig“. Schließlich resümiert Lola: „Ist es ein Wunder, dass man diese Kerle ersticht?“ Ries bringt das so authentisch rüber, dass einem fast etwas mulmig wird. Sie ist Kreislers subtilen gesanglichen, sprachlichen und inhaltlichen Nuancen vollkommen gewachsen, transportiert sie direkt ins Publikum.

Kreisler bringt seine Figur neben absolut köstlichem Witz auch zu tiefer Trauer („Man muss nur wissen, man hat niemals ein Zuhause“, „Heute fand ich alte Tränen“) und schreibt Texte von geradezu wundersamer Vielfalt. Und Ries liefert dazu eine subtil differenzierte Version des „Herrlichen Weibs“, das die Feinheiten des Texts restlos umsetzt. Für die zahlreichen energiestrotzenden Titel erhält sie mehrfach kräftigen Zwischenapplaus. Zwischendurch liefert sie eine rasante Rollenserie, man kommt kaum mit. Am Ende noch eine köstliche Mozartparodie, bis dann der Pessimismus auch über die Nachkriegslage in Deutschland und Österreich den Ton angibt. „Im Theater ist nichts los“, heißt die Variation zum ersten Titel. Riesiger Beifall, Keul und Ries müssen dreimal wiederkommen.

Das Haus war gut gefüllt: Unter die Besucher hatten sich zahlreiche Kreative gesellt, […] Mitglieder des Schauspielensembles des Theaters, die plötzlich alle frei hatten. Desgleichen einige Musiker des Philharmonischen Orchesters und Mitglieder des Teams der Marburger Musical-Company von „Jesus Christ Superstar“[…]. Auffällig waren die gefühlten Berührungspunkte zur momentanen Lage, die mehrfach spürbar wurden und das Publikum in tiefer Stille lauschen ließ. In den Gesprächen nach der Vorstellung kamen Freude und Wertschätzung darüber zum Ausdruck, dass man eine solche erstklassige Darbietung noch erleben konnte. Und mehr als eine Spur von Trauer: Es war ja erst einmal die letzte Theatervorstellung in Gießen für vermutlich lange Zeit.“

Von Heiner Schultz, Gießener Anzeiger, 17.03.2020

Lola Vorstellungen im März/April 2020

Donnerstag, 12. März 2020

Liebe Theater- und Kreislerbegeisterte

Aufgrund der Empfehlungen des zuständigen Landratsamtes werden im Bruchwerk Theater in Siegen bis einschließlich 03.04.2020 alle Veranstaltungen abgesagt. Dies betrifft also auch die beiden Vorstellungen von HEUTE ABEND: LOLA BLAU am 28. und 29.03. Wir halten Sie hier und unter www.bruchwerk-theater.de über Ausweichtermine auf dem Laufenden.

Die Vorstellung am 15.03.2020 in Gießen FINDET STATT. Es gibt noch ein paar Karten an der Abendkasse. Personen aus Risikogruppen bitte ich darum, sich eigenverantwortlich zu entscheiden.

Die Vorstellung im BZO am 28.04.2020 musste auch aufgrund der Pandemie-Einschränkungen auf unbestimmt verschoben werden.

Bleiben Sie Zuhause, halten Sie Abstand und vor allem bleiben Sie positiv und halten Sie durch!

weitere Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater in Siegen

Montag, 04. November 2019

Mit Lola durch bewegte Zeiten

Irina Ries und ihr Pianist Christian Keul interpretieren im Bruchwerk Theater das Musical „[Heute Abend:]Lola Blau“ von Georg Kreisler neu und ernten am Ende Stürme der Begeisterung

Siegen. Das bewegte Leben einer jüdischen Sängerin während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit darzustellen, die Schauplätze von Österreich über die Schweiz in die USA, dann wieder zurück nach Wien, Budapest und Berlin zu verlagern, geht das? Es klappt – und zwar vortrefflich – wenn eine solch vielseitige Verwandlungskünstlerin wie Irina Ries auf der Bühne agiert. Die noch dazu von einem Tasten-Künstler wie Christian Keul begleitet wird, der in seiner trocken-lakonischen Art in verschiedene Nebenrollen schlüpft. Mal in eine Concierge, dann in einen Briefboten mit mehr oder weniger guten Botschaften, zwischendurch auch als Ausrufer mit dem Megaphon.

„Ich habe Angst vor den vielen Schmidts.“,Irina Ries in ihrer Rolle als Lola Blau

Georg Kreisler der 1922 geborene und 2011 verstorbene österreichische Komponist, Dichter und Sänger, steht für rabenschwarze, manchmal auch sehr böse, anarchistische Texte. Sein bekanntestes Lied wurde „Tauben vergiften im Park“. Sein Musical „Lola Blau“ wurde 1971 uraufgeführt und passt perfekt in kleine Theater. Texte und Lieder sind vorwiegend deutschsprachig, passend auch zum Leben Kreislers, der mit seinen Eltern wegen deren jüdischer Herkunft 1938 in die USA emigrierte und 1955 nach Europa zurück kam.

1938 beginnt auch die in „[Heute Abend:] Lola Blau“ erzählte Geschichte einer Wiener Sängerin, deren Karriereträume in ihrem Heimatland zerplatzten, weil Österreich von Nazi-Deutschland „Heim ins Reich“ geholt hatte. Das Hakenkreuz ist allgegenwärtig. Aus dem Megaphon erscheinen in nervender Lautstärke Heil-Hitler-Rufe und aus dem Volksempfänger „Die Fahne hoch“ im Marschrhythmus. An Lolas Reisekoffer klebt der gelbe Judenstern, als sie in die neutrale Schweiz reist und Konzerte gibt. Doch der lange Arm der Nazis erreicht sie auch dort. Die Fremdenpolizei Zürich gibt ihr 24 Stunden bis zur Ausreise.

Die USA werden ihre neue Heimat, ihre geliebten Leo muss sie zurücklassen. Lolas Reisekoffer ziert inzwischen die amerikanische Flagge. Sie tritt in Las Vegas und New York auf. Herrlich, wie Irina Ries dabei im Dirndl und in alpenländisch eingefärbtem Englisch „Sex is a wonderful habit“ interpretiert. Doch in Wirklichkeit ist sie todunglücklich die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 erweckt bei Lola Blau Glücksgefühle. „Heut werd ich mich besaufen“, singt sie und nimmt das so wörtlich, dass sie alkoholbenebelt am Boden liegt. Und auch diesen Zustand verkörpert Irina Ries perfekt.

Und Leo? Sein Anruf aus Wien und ihre vorsichtige Annäherung an ihn gehört zu den innigsten Minuten des Abends. Zurückgekehrt nach Wien, merkt sie: Theater ist so ziemlich das Letzte, was die Menschen in der Nachkriegszeit brauchen. Sie bekommt eine Absage nach der anderen, versucht sich in Operettenrollen, um schließlich im „Kaiserschmarrn“ in Wiens 4. Bezirk zu landen. Als Kabarettsängerin.

Aber auch politisch zerplatzt in Lola Blau manche Hoffnung. „Ich hab Angst vor den vielen Schmidts“, singt sie und meint damit die Bürger, die die Nazizeit verharmlosen und sich ihrer Verantwortung für die Vergangenheit nicht stellen. Und Leo, den sie in Wien treffen wollte? Ob er kommt, bleibt offen. „So ist das Leben“, resigniert sie.

Von all den vielen Kreisler-Liedern, die Irina Ries an diesem Abend präsentiert, bleibt vor allem „Im Theater ist nichts los“ im Kopf der Besucher. Im Bruchwerk Theater ist jedoch umso mehr los. Eine Künstlerin, die in unzählige Kostüme schlüpft. Dabei stets auch ihre Persönlichkeit verändert, schweizerisch, berlinerisch, wienerisch und noch andere Dialekte kann, mal brav und bieder und dann frivol verrucht daherkommt, die sich verletzlich und direkt danach euphorisch aufgeladen zeigt, lässt die Zuschauer fast atemlos werden.

Dass sie und ihr Piano-Mann Christian Keul ohne jegliche Mikros, dafür aber perfekt ausgeleuchtet agieren, macht sie beweglicher, lässt sie noch dichter an das Publikum herankommen und setzt der Inszenierung das Sahnehäubchen auf. Deren Emotionen entladen sich durch lautes Bravo und rhythmisches Fußtrampeln.“

von Wolfgang Leipold, Westfalenpost, am 16.09.2019

Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater, Siegen

Donnerstag, 03. Oktober 2019

„“Eine Nachricht für Lola Blau“ SIEGEN Das Bruchwerk-Theater eröffnete die neue Spielzeit mit einem Stück von Georg Kreisler
Das Publikum belohnte die gelungene Premiere mit tosendem Applaus.
[…] Das Bruchwerk-Theater startete am Sonntagabend mit der Premiere des Ein-Personen-Stückes in die neue Spielzeit und erzählte die besondere Geschichte einer jüdischen Künstlerin, die ihre Heimat kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verlassen musste und sich auf die Suche nach Akzeptanz und Erfolg machte.
Im „Bruchwerk“ schlüpfte die professionelle Theaterschauspielerin Irina Ries, die in diesem Jahr bereits in dem Stück „Beben“ in Siegen zu sehen war, in die Rolle der Lola Blau. Begleitet wurde sie am Klavier von Christian Keul. […]
Seit seiner Uraufführung im Jahre 1971 in Wien hat das Stück nicht an Aktualität verloren. Mit viel Humor, Charme aber auch Tiefgründigkeit entführte Irina Ries das Publikum in eine andere Zeit, in der man nicht „allen alles sagen“ konnte, wie sie in einem der zahlreichen Lieder singt.
Die Künstlerin unterhält das Publikum aber nicht nur mit Ihrer geschulten Musical-Stimme, sondern auch mit ihren authentischen Dialekten, wie dem der Frau Schmidt: eine Österreichische Frau, die lieber alles beim Alten lassen will, statt offen für Neues zu sein.
Das Theaterstück hat überraschend viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft und spielt mit Provokation und Offenheit. Das Publikum belohnte diese Schauspielerische Leistung mit tosendem Applaus und bestätigte die Erkenntnis Kreislers: „Im Theater ist was los!““
von Kiana Nourishad, Siegener Zeitung, am 16.09.2019

Neues Material – (bewegte) Bilder

Donnerstag, 15. November 2018

Im September habe ich in Eisenach neue Fotos gemacht – Portraits und auch künstlerische.

Außerdem haben Sebastian Stolz von Filmwild und ich in etwa zwei Tagen vier neue Demoszenen aufgenommen, quick and dirty sozusagen. Jede Szene ist ca. 40-60 Sekunden kurz. 

Alles findet sich nun unter Galerie und Vita. (Diese ist auch überarbeitet.)

Hier auch schon alle Szenen am Stück.

Zweite Regiearbeit in Wiesbaden

Montag, 13. Juni 2016

Vor der Sommerpause starten wir im JUST Wiesbaden noch mal in die Vollen. Am 17.09.2016 hat dann „Patrick anderthalb“ auf der Studiobühne des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Premiere.

Regie und Bühne: Irina Ries, Kostüm: Lilia Frank, Dramaturgie: Maria Isabel Hagen

Es spielen: Cain Van Cauwenbergh, Thomas Jansen, Oliver Wronka

Patrick ist 15. Er hat keine Familie – zumindest niemand, der sich für ihn interessiert -, dumme Vorfälle überschlugen sich und jetzt ist er auch noch vorbestraft. Wegen Totschlags. Nicht gerade die besten Voraussetzungen eine neue Pflegefamilie zu bekommen. Doch tatsächlich scheint es ein Pärchen zu geben, die in adoptieren wollen. Ohne konkretere Informationen macht sich Patrick am Gründonnerstag auf den Weg zu seinen neuen Eltern. Doch diese sind alles andere als das Erhoffte. Zwei Männer in den Vierzigern, die chaotisch, suchtgefährdet und keineswegs mit weniger Vorteilen belastet und von dieser Überraschung genau so enttäuscht sind, wie er. Das Amt hat geschlossen, der Zuständige ist krank und so sind die drei Männer gezwungen sich miteinander zu arrangieren.

Ein Stück über Wünsche, Bedürfnisse, Sexualität, Vorurteile und den Kampf mit den eigenen Erwartungen. Erzählt mit viel Sinn für Humor…