Mit ‘Bruchwerk Theater’ getaggte Artikel

Kritiken zu FISCHE in Siegen

Montag, 26. Oktober 2020

„Große Schauspielkunst mit schwachen Texten.
[…] viele Lichtblicke: Irina Ries und Lisa Sophie Kusz, beide schon mehrmals im Bruchwerk zu sehen, sind Schauspielerinnen, die ihre Rollen mit Haut, Haaren und Seele verkörpern, in sie hineinkriechen: Viel Text, zum Teil von beiden synchron gesprochen, Gesang, Gestik, Mimik, vor allem Gefühl. Ihr Kuss, lang und innig, lässt ahnen, welch tiefe Liebe Fisch und E füreinander empfinden. […] Der lange Beifall gilt vor allem Irina Ries und Lisa Sophie Kusz, Regisseur Milan Pešl und dem Bruchwerk-Team, das sich zum Saison-Auftakt einen nicht gerade leichten Theaterstoff ausgesucht hat.“
Westfalen Post, Wolfgang Leipold, 21.09.2020

„Faszination der Andersartigkeit – Premiere des Stückes FISCHE von Nele Stuhler am Bruchwerk Theater Siegen.
[…] Überhaupt spielt der Sprachrhythmus in diesem Stück eine wichtige Rolle und verlangt den Schauspielern, die auch körperlich durchaus gefordert werden, einiges ab. […] „ Ich fand es gut“, lobte [die Autorin] das Ensemble. Die Zuschauer waren allerdings geteilter Meinung. Während einige stehend applaudierten, konnten andere mit dieser Art des Schauspiels wenig anfangen. So gilt offensichtlich auch hier: Es ist kompliziert.“
Siegener Zeitung, ba, 21.09.2020

Irina Ries, Lisa Sophie Kusz © Bernd Dreseler, 2020

„Atmen“ in ungewissen Zeiten, Kritik zum Onlinestream aus dem Bruchwerk Theater

Samstag, 09. Mai 2020

Milan Pešl und Irina Ries zeigten im Bruchwerk-Livestream mit dem Stück „Atmen“, dass Theater auch in Krisenzeiten für die Menschen da sein kann.

Siegen. „Du sprichst über deine Gefühle“, sagt sie. „Tut mir leid“, sagt er. „Nein, das ist toll“, erwidert sie lachend. Dieser Dialog-Ausschnitt kann beinahe stellvertretend stehen für das gesamte Theaterstück „Atmen“ von Duncan Macmillan. Das Bruchwerk-Theater Siegen machte am Donnerstagabend das Drama zwar digital, aber doch ergreifend nah erfahrbar. Aufgrund der aktuellen Kontaktbeschränkungen verlagerten die Siegener Theatermacher die szenische Lesung in einen Youtube-Livestream. Kostenlos, gleichwohl spendenbasiert. Auf der minimalistischen Bühne saßen die beiden einzigen Darsteller auf einem Sofa, voneinander getrennt durch eine verschwommen-durchsichtige Folie. Ausgestattet mit Text und Mikrofon, wurden die beiden unterstützt von eingespielten Hintergrundgeräuschen, was an ein Hörspiel erinnerte.

Emotionales Gewitter durch den Bildschirm

Die Geschichte der beiden Figuren ist geprägt von vielen Emotionen und sehr eingängigen Textpassagen. Anfangs ein wenig holprig, läuft es bald rund mit dem ungewohnten Textwerk. Es scheint beim Zuschauen, als sei man als unsichtbarer Beobachter in einen intimen Dialog geplatzt. Mitten hinein in ein Gespräch, das um ein Thema kreist, das in den meisten Beziehungen früher oder später aktuell wird: Man spricht über Kinder. Ist es gerechtfertigt, in die heutige Welt ein Kind zu setzten? Es „dem Ganzen“ (der Umweltverschmutzung, dem CO2-Gehalt der Atmosphäre …) auszusetzen? Das ist der Tenor, der in jeder Silbe mitschwingt und der Bezug nimmt auf die jetzige Lage, ob beabsichtigt oder nicht.

Authentisch und lebensnah

Das junge Paar – er Musiker, sie Studentin – ist mit seinen Sorgen erfrischend authentisch. Die Gespräche sind feinfühlig und schwer emotional. Doch sie erwecken beim Zuschauer das Gefühl, als ob ein Leben lang ein Tonband mitlaufen würde, dessen einzelne Streifen hier zum Vorschein kommen, so lebensnah und gefühlvoll ist es bis zum Schluss. Irina Ries und Milan Pešl überzeugen so in ihren Rollen, dass man, wenn man die Augen schließt und sich ganz auf die Geräusche und Stimmen einlässt, die beiden Charaktere lebhaft vor sich stehen sieht. Mit zurückhaltender, aber akzentuierter Gestik und Mimik unterstreichen die beiden Darsteller die emotionale Zerrissen- oder Verbundenheit, ganz wie es die Szenen verlangen, bis zum Schluss. Das Spiel scheint wie gemacht für eine Lesung, und auch durch den Stream ist man ergriffen von der emotionalen Nähe des Stücks. Ähnlich sehen es auch viele andere Zuschauer, die während und nach dem Stück viele lobende Worte haben.

Zuschauer in Livechat eingebunden

Nach dem Stück hatte das Publikum die Möglichkeit, im Chat Fragen an das Darsteller-Paar zu richten, was gerne genutzt wurde. Milan Pešl, künstlerischer Leiter des Theaters, kündigte bei dieser Gelegenheit an, dass jetzt jeden Donnerstagabend ein Stream geplant sei. Mal theatralisch, mal musikalisch (in der kommenden Woche). Erneut hat das Team des Bruchwerks mit einer großartigen Vorstellung bewiesen, dass Theater auch in diesen ungewissen Zeiten für die Menschen da sein kann.“

von Florian Broda, Siegener Zeitung 03.04.2020

Lola Vorstellungen im März/April 2020

Donnerstag, 12. März 2020

Liebe Theater- und Kreislerbegeisterte

Aufgrund der Empfehlungen des zuständigen Landratsamtes werden im Bruchwerk Theater in Siegen bis einschließlich 03.04.2020 alle Veranstaltungen abgesagt. Dies betrifft also auch die beiden Vorstellungen von HEUTE ABEND: LOLA BLAU am 28. und 29.03. Wir halten Sie hier und unter www.bruchwerk-theater.de über Ausweichtermine auf dem Laufenden.

Die Vorstellung am 15.03.2020 in Gießen FINDET STATT. Es gibt noch ein paar Karten an der Abendkasse. Personen aus Risikogruppen bitte ich darum, sich eigenverantwortlich zu entscheiden.

Die Vorstellung im BZO am 28.04.2020 musste auch aufgrund der Pandemie-Einschränkungen auf unbestimmt verschoben werden.

Bleiben Sie Zuhause, halten Sie Abstand und vor allem bleiben Sie positiv und halten Sie durch!

weitere Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater in Siegen

Montag, 04. November 2019

Mit Lola durch bewegte Zeiten

Irina Ries und ihr Pianist Christian Keul interpretieren im Bruchwerk Theater das Musical „[Heute Abend:]Lola Blau“ von Georg Kreisler neu und ernten am Ende Stürme der Begeisterung

Siegen. Das bewegte Leben einer jüdischen Sängerin während des Nationalsozialismus und der Nachkriegszeit darzustellen, die Schauplätze von Österreich über die Schweiz in die USA, dann wieder zurück nach Wien, Budapest und Berlin zu verlagern, geht das? Es klappt – und zwar vortrefflich – wenn eine solch vielseitige Verwandlungskünstlerin wie Irina Ries auf der Bühne agiert. Die noch dazu von einem Tasten-Künstler wie Christian Keul begleitet wird, der in seiner trocken-lakonischen Art in verschiedene Nebenrollen schlüpft. Mal in eine Concierge, dann in einen Briefboten mit mehr oder weniger guten Botschaften, zwischendurch auch als Ausrufer mit dem Megaphon.

„Ich habe Angst vor den vielen Schmidts.“,Irina Ries in ihrer Rolle als Lola Blau

Georg Kreisler der 1922 geborene und 2011 verstorbene österreichische Komponist, Dichter und Sänger, steht für rabenschwarze, manchmal auch sehr böse, anarchistische Texte. Sein bekanntestes Lied wurde „Tauben vergiften im Park“. Sein Musical „Lola Blau“ wurde 1971 uraufgeführt und passt perfekt in kleine Theater. Texte und Lieder sind vorwiegend deutschsprachig, passend auch zum Leben Kreislers, der mit seinen Eltern wegen deren jüdischer Herkunft 1938 in die USA emigrierte und 1955 nach Europa zurück kam.

1938 beginnt auch die in „[Heute Abend:] Lola Blau“ erzählte Geschichte einer Wiener Sängerin, deren Karriereträume in ihrem Heimatland zerplatzten, weil Österreich von Nazi-Deutschland „Heim ins Reich“ geholt hatte. Das Hakenkreuz ist allgegenwärtig. Aus dem Megaphon erscheinen in nervender Lautstärke Heil-Hitler-Rufe und aus dem Volksempfänger „Die Fahne hoch“ im Marschrhythmus. An Lolas Reisekoffer klebt der gelbe Judenstern, als sie in die neutrale Schweiz reist und Konzerte gibt. Doch der lange Arm der Nazis erreicht sie auch dort. Die Fremdenpolizei Zürich gibt ihr 24 Stunden bis zur Ausreise.

Die USA werden ihre neue Heimat, ihre geliebten Leo muss sie zurücklassen. Lolas Reisekoffer ziert inzwischen die amerikanische Flagge. Sie tritt in Las Vegas und New York auf. Herrlich, wie Irina Ries dabei im Dirndl und in alpenländisch eingefärbtem Englisch „Sex is a wonderful habit“ interpretiert. Doch in Wirklichkeit ist sie todunglücklich die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 erweckt bei Lola Blau Glücksgefühle. „Heut werd ich mich besaufen“, singt sie und nimmt das so wörtlich, dass sie alkoholbenebelt am Boden liegt. Und auch diesen Zustand verkörpert Irina Ries perfekt.

Und Leo? Sein Anruf aus Wien und ihre vorsichtige Annäherung an ihn gehört zu den innigsten Minuten des Abends. Zurückgekehrt nach Wien, merkt sie: Theater ist so ziemlich das Letzte, was die Menschen in der Nachkriegszeit brauchen. Sie bekommt eine Absage nach der anderen, versucht sich in Operettenrollen, um schließlich im „Kaiserschmarrn“ in Wiens 4. Bezirk zu landen. Als Kabarettsängerin.

Aber auch politisch zerplatzt in Lola Blau manche Hoffnung. „Ich hab Angst vor den vielen Schmidts“, singt sie und meint damit die Bürger, die die Nazizeit verharmlosen und sich ihrer Verantwortung für die Vergangenheit nicht stellen. Und Leo, den sie in Wien treffen wollte? Ob er kommt, bleibt offen. „So ist das Leben“, resigniert sie.

Von all den vielen Kreisler-Liedern, die Irina Ries an diesem Abend präsentiert, bleibt vor allem „Im Theater ist nichts los“ im Kopf der Besucher. Im Bruchwerk Theater ist jedoch umso mehr los. Eine Künstlerin, die in unzählige Kostüme schlüpft. Dabei stets auch ihre Persönlichkeit verändert, schweizerisch, berlinerisch, wienerisch und noch andere Dialekte kann, mal brav und bieder und dann frivol verrucht daherkommt, die sich verletzlich und direkt danach euphorisch aufgeladen zeigt, lässt die Zuschauer fast atemlos werden.

Dass sie und ihr Piano-Mann Christian Keul ohne jegliche Mikros, dafür aber perfekt ausgeleuchtet agieren, macht sie beweglicher, lässt sie noch dichter an das Publikum herankommen und setzt der Inszenierung das Sahnehäubchen auf. Deren Emotionen entladen sich durch lautes Bravo und rhythmisches Fußtrampeln.“

von Wolfgang Leipold, Westfalenpost, am 16.09.2019

Kritik zu „Heute Abend: Lola Blau“ im Bruchwerk Theater, Siegen

Donnerstag, 03. Oktober 2019

„“Eine Nachricht für Lola Blau“ SIEGEN Das Bruchwerk-Theater eröffnete die neue Spielzeit mit einem Stück von Georg Kreisler
Das Publikum belohnte die gelungene Premiere mit tosendem Applaus.
[…] Das Bruchwerk-Theater startete am Sonntagabend mit der Premiere des Ein-Personen-Stückes in die neue Spielzeit und erzählte die besondere Geschichte einer jüdischen Künstlerin, die ihre Heimat kurz vor dem Zweiten Weltkrieg verlassen musste und sich auf die Suche nach Akzeptanz und Erfolg machte.
Im „Bruchwerk“ schlüpfte die professionelle Theaterschauspielerin Irina Ries, die in diesem Jahr bereits in dem Stück „Beben“ in Siegen zu sehen war, in die Rolle der Lola Blau. Begleitet wurde sie am Klavier von Christian Keul. […]
Seit seiner Uraufführung im Jahre 1971 in Wien hat das Stück nicht an Aktualität verloren. Mit viel Humor, Charme aber auch Tiefgründigkeit entführte Irina Ries das Publikum in eine andere Zeit, in der man nicht „allen alles sagen“ konnte, wie sie in einem der zahlreichen Lieder singt.
Die Künstlerin unterhält das Publikum aber nicht nur mit Ihrer geschulten Musical-Stimme, sondern auch mit ihren authentischen Dialekten, wie dem der Frau Schmidt: eine Österreichische Frau, die lieber alles beim Alten lassen will, statt offen für Neues zu sein.
Das Theaterstück hat überraschend viele Parallelen zur heutigen Gesellschaft und spielt mit Provokation und Offenheit. Das Publikum belohnte diese Schauspielerische Leistung mit tosendem Applaus und bestätigte die Erkenntnis Kreislers: „Im Theater ist was los!““
von Kiana Nourishad, Siegener Zeitung, am 16.09.2019