Schauspielerin Irina Ries setzt sich für Belange ihres Berufsstands ein

06. Februar 2017

Gießener Anzeiger 27.01.2017

GIESSEN – (ts). „1850 brutto?!“ – den Mitgliedern der Gießener CDU-Fraktion sind vor Staunen die Augen und Ohren aufgegangen, als sie in ihrer Sitzung in dieser Woche Besuch von einer Schauspielerin hatten, die kein Blatt vor den Mund nahm. Irina Ries brachte ihnen in einem engagierten Vortrag nahe, wie schlecht bezahlt die meisten Schauspieler an öffentlichen Theatern in Deutschland sind. Die beiden Gewerkschaften des künstlerischen Personals, Genossenschaft Deutscher Bühnen-Angehöriger (GDBA) und Vereinigung deutscher Opernchöre und Bühnentänzer (VdO), haben mit dem Deutschen Bühnenverein auf Arbeitgeberseite vereinbart, dass die Mindestgage für das künstlerische Personal seit 1. Januar auf 1850 Euro im Monat steigt – brutto, versteht sich.

„Die Mindestgage bleibt skandalös niedrig“, heißt es in einer Pressemitteilung der beiden Gewerkschaften. Daher müssten in den kommenden Verhandlungen weitere Fortschritte für die Betroffenen erzielt werden. So sieht es auch die in Gießen lebende Irina Ries, die seit anderthalb Jahren Mitglied der GDBA ist und es sich nun zur Aufgabe gemacht hat, die politische und kulturinteressierte Öffentlichkeit darüber zu informieren, „dass hier etwas verbessert werden muss“. Dem Tarifvertrag liegen 44 Wochenstunden zugrunde; das sind 10,51 Euro pro Stunde, also knapp über dem Mindestlohn. Nach den Erfahrungen der Schauspielerin können aus den 44 Stunden aber schnell 54 Stunden werden, denn Tätigkeiten wie beispielsweise Stücke lesen, Rollen lernen und sich körperlich fit halten, seien nicht berücksichtigt. Was einem Schauspieler alles zugemutet werde, zeige auch das Beispiel, dass sie sich an einem Theater (nicht am Gießener Stadttheater) sogar für die Vorstellung selbst habe schminken und frisieren müssen.

„Die 1850 Euro werden mancherorts angeboten, egal, wie viel Berufsjahre der Künstler hat, und unabhängig vom Standort des Theaters“, erläutert Irina Ries im Gespräch mit dem Anzeiger. Und dies gelte nur für ein festes Engagement. Für Gäste existiere bisher noch kein vernünftiger Basisvertrag, der die Arbeitszeit regele oder angemessene Gagen anbiete. Nach ihrer Ansicht müsste es ein gestaffeltes Gagensystem geben, das zumindest die Berufserfahrung als Schauspieler und den Wohnort einbeziehe. Sie ist für klarere Rahmenbedingungen, „damit die viel beschworene künstlerische Freiheit nicht zur Ausnutzung der mit Herzblut Beteiligten führt“. Als die in Wiesbaden geborene Schauspielerin vor zehn Jahren am Gießener Stadttheater debütierte, lag die Mindestgage bei 1550 Euro brutto. Bis 2011 spielte sie als festes Ensemblemitglied im Haus am Berliner Platz und im damaligen TiL. München, Eisenach, Marburg, Meiningen und Wiesbaden waren die nächsten Stationen. Seit einem Jahr ist die mit dem Posaunisten Alexander Schmidt-Ries vom Philharmonischen Orchester Gießen verheiratete Schauspielerin von Gießen aus freischaffend tätig.

Rückendeckung nötig

„Ein ungelernter Angestellter des Bundes bekommt bei einer 41-Stunden-Woche genauso viel wie wir mit einem vierjährigen Studium an der Schauspielschule und einem Diplom in der Tasche“, macht sie deutlich. Damit sich ihre Situation und die ihrer Kollegen verbessert, hat sie sich der bundesweiten Aktion „40 000 Theaterschaffende treffen ihre Abgeordnete“ angeschlossen. Begonnen hat alles damit, dass die Oldenburger Schauspielerin Lisa Jopt in einer E-Mail ihre Kollegen überall im Land dazu aufgerufen hat, die Gespräche nicht nur in der Kantine zu führen, sondern die Themen und Wünsche nach außen zu tragen. Dies war die Geburtsstunde des in ganz Deutschland aktiven „Ensemble-Netzwerks„.

Irina Ries hat daher hessische Landtagsabgeordnete unterschiedlicher Parteien angesprochen. Schnell reagierte Klaus Peter Möller von der CDU, indem er sie nach einem Gespräch in kleinster Runde zur Sitzung der CDU-Fraktion einlud. So erfuhren die Gießener Christdemokraten, wie es um das künstlerische Personal an deutschen Theatern bestellt ist. Die gut präparierte Referentin konnte dabei auch noch weitere Zahlen ins Feld führen: Bund, Länder und Gemeinden geben im Jahr zwei Milliarden Euro für die Theater aus; das sind aber gerade mal 0,2 Prozent ihrer Gesamtausgaben. „Neben dem Bühnenverein tragen also auch die Rechtsträger der Theater mit ihrer Weigerung, die Theater auskömmlich zu finanzieren, die Verantwortung“, so die GDBA in ihrer Pressemitteilung. „Allen voran auch der Bund“, ergänzt Ries, „jetzt brauchen wir Rückendeckung von der Gesellschaft, wenn wir die Tarifverträge verbessern wollen“. Die öffentliche Hand müsse ihre Investitionen für Kultur, Bildung und Sport deutlich erhöhen, so ihr Fazit, denn eine mündige Gesellschaft brauche mehr denn je offene Räume für Diskussionen. „Wenn es keine Theater mehr gibt, gibt es niemanden mehr, der der Gesellschaft den Spiegel vorhält.“

„Ab in den Wald“ – Pressestimmen

10. Dezember 2016

Into the woods fesselt in Gießen von Anfang an. Mit viel Tempo und Witz sowie liebevoller Figurenzeichnung erzählt ein engagiertes, spielfreudiges Ensemble die Geschichte. Das Ergebnis ist eine musikalisch wie darstellerisch gelungene Produktion mit Tiefgang.

…Schnell ist klar: Hier spielt ein bestens aufgelegter Cast. Hinter großen Bilderrahmen platziert, werden die einzelnen Charaktere vom Erzähler unaufgeregt und interessiert eingeführt, bevor sie selbst zu Wort kommen. Zunächst präsentieren sich hier grelle Märchenfiguren voller bekannter Klischees. Am deutlichsten wird das vielleicht bei Aschenputtel und ihrer Verwandtschaft: Irina Ries als Stiefmutter ist so abgrundtief bösartig, dass es eine helle Freude ist. …

Die einfachen, aber passenden Choreographien hat Inga Schneidt entwickelt. Sie kommt vom Hip Hop und sorgt für einen urbanen Tanzstil. Der Straßentanz fügt sich äußerst gut in die Dramaturgie und die Inszenierung ein. Die musikalische Seite überzeugt ebenfalls auf ganzer Linie. Andreas Kowalewitz schafft es, mit dem Philharmonischen Orchester Gießen einen Klangteppich zu gestalten, auf dem die Handlung gut nach vorne kommt. Die Tontechnik sorgt für einen guten Raumklang und eine Abmischung, die Orchester (toll: der echte Flügel im Orchestergraben) und Sänger gleichermaßen zur Geltung bringt. Nicht selbstverständlich in einem Stadttheater ist die Textverständlichkeit, die gerade bei Sondheim aber unbedingt notwendig ist. Der Sprachwitz und die Ironie der deutschen Übersetzung von Michael Kunze kommen so auch auf den Rängen an.“

Harry Weiß-Arzet / Musikalzentrale / Sept. 16

„Bunt, schrill, tief: Zahlreiche liebevolle Regieeinfälle, eine gelungene Besetzung, hohes musikalisches Niveau und ein beachtenswertes Bühnenbild sorgen für einen beeindruckenden Abend.“

Kurzbewertung / Musikalzentrale / 2.11.16

 

 

Ab in den Wald im Gießener Stadttheater

30. Juli 2016

2006 debütierte ich im November am Stadttheater Gießen mit „Die Geschichte von Lena“. Zehn Jahre später kehre ich zurück, mit der Rolle von Aschenputtels Stiefmutter in dem wunderbar komischen Musical „Ab in den Wald“ von Steven Sontheim und James Lapine. Es wird meine erste direkte, gemeinsame Arbeit mit Cathérine Miville. Ich freue mich auf Oktober!

Zweite Regiearbeit in Wiesbaden

13. Juni 2016

Vor der Sommerpause starten wir im JUST Wiesbaden noch mal in die Vollen. Am 17.09.2016 hat dann „Patrick anderthalb“ auf der Studiobühne des Hessischen Staatstheaters Wiesbaden Premiere.

Regie und Bühne: Irina Ries, Kostüm: Lilia Frank, Dramaturgie: Maria Isabel Hagen

Es spielen: Cain Van Cauwenbergh, Thomas Jansen, Oliver Wronka

Patrick ist 15. Er hat keine Familie – zumindest niemand, der sich für ihn interessiert -, dumme Vorfälle überschlugen sich und jetzt ist er auch noch vorbestraft. Wegen Totschlags. Nicht gerade die besten Voraussetzungen eine neue Pflegefamilie zu bekommen. Doch tatsächlich scheint es ein Pärchen zu geben, die in adoptieren wollen. Ohne konkretere Informationen macht sich Patrick am Gründonnerstag auf den Weg zu seinen neuen Eltern. Doch diese sind alles andere als das Erhoffte. Zwei Männer in den Vierzigern, die chaotisch, suchtgefährdet und keineswegs mit weniger Vorteilen belastet und von dieser Überraschung genau so enttäuscht sind, wie er. Das Amt hat geschlossen, der Zuständige ist krank und so sind die drei Männer gezwungen sich miteinander zu arrangieren.

Ein Stück über Wünsche, Bedürfnisse, Sexualität, Vorurteile und den Kampf mit den eigenen Erwartungen. Erzählt mit viel Sinn für Humor…

 

Zweite Spielzeit in Wiesbaden in vollem Gang

13. November 2015

Mit HEXE HILLARY in die Oper gehen oder mit dem Schmuckhändler Muhar auf die Suche nach dem VERBORGENEN SCHATZ. In CYRANO zwischen zwei Männer stehen – oder ist es nur einer? – oder im DOPPELTEN LOTTCHEN zwischen zwei Töchtern – oder ist es nur eine? Das JUST des Staatstheaters Wiesbaden hat auch diese Spielzeit wieder viel zu bieten. Für groß und klein, alt und jung. Ich freue mich auf Euch.

Wieder auf Gießener Bühnen

06. Juni 2015

Nach vier Jahren endlich mal wieder in Gießen zu sehen. Zusammen mit Christopher Basile, Sebastian Songin, Arthur Romanowski spielt Irina Ries in der Abschlussinszenierung des Masterstudiengangs „Angewandte Theaterwissenschaft“ von Suse Pfister. Zu sehen ist der Abend am 04. und 05. Juni 2015 in der Studiobühne des Stadttheaters Gießen (taT).

UA verschoben

21. Dezember 2014

Uraufführung der Brachlandproduktion “Erwachsen werden” wird bis auf weiteres verschoben.

Uraufführung der Brachlandproduktion „Erwachsen werden“

30. November 2014

Konzert am Kamin

Wer bin ich? Das ist eine der zentralen Fragen, die wir uns immer wieder stellen und – wenn überhaupt – nur sehr schwer beantworten können.
Lara interessiert sich vor allem für die Frage: Wo komme ich her? Denn Lara weiß, ihre Eltern sind nicht ihre leiblichen. Sie wurde im Säuglingsalter adoptiert. Wer aber waren ihre Eltern und warum haben sie sie abgegeben? Vom Jugendamt bekommt Lara eine kleine Kiste mit persönlichen Dingen, die ihre leibliche Mutter Isabel für sie gesammelt hat. Damit begibt sie sich auf die Suche nach ihren Wurzeln.

Irina Ries, Mitglied des Brachland-Ensembles und Schauspielerin am Staatstheater Wiesbaden, und der Musiker Christian Keul haben in der Spielzeit 2013/14 an den Theatern in Eisenach und Meiningen bereits Georg Kreislers „Heute Abend: Lola Blau“ dem Publikum erfolgreich präsentiert.
Nun bringen sie mit der musikalischen Erzählung „Erwachsen werden“ ihr erstes eigenes Programm zur Premiere: am 31. Januar 2015 um 19 Uhr im Bildungszentrum Niedernhausen- Oberjosbach (BZO). Interpretiert und zitiert werden Künstler aus den Bereichen Chanson, Jazz, Pop und Musical von Kurt Weill bis Udo Jürgens, von Anggun bis Juli.

Neustart

18. Juli 2014

Wieder in Hessen
Nach drei Jahren künstlerischer Abwesenheit kehre ich zurück in die hessische Heimat. Ab der Spielzeit 2014/15 bin ich im Jungen Staatstheater Wiesbaden zu sehen und starte erste Schritte als Regisseurin. Die erste Premiere ist am 26.09.2014 „Der verborgene Schatz“ von Paul Maar (UA). Anschließend mache ich mit den Kollegen beim Weihnachtsstück „Scrooge oder Weihnachten vergisst man nicht“ ab 23.11. die große Bühne zum Schau/Spiel/Platz.
Am 05.03.2015 ist dann mein Regiedebüt im Studio des Staatstheaters zu sehen: „Die Wanze“ von Paul Shipton – ein Insektenkrimi für die ganze Familie.
Ich freue mich auf alle BesucherInnen und hoffe, dass wir gemeinsam viel erleben werden.

„Heute Abend: Lola Blau“ – Pressestimmen

15. November 2013

„Lola Blau verlangt es nach Theater
Das Landestheater Eisenach zeigt Georg Kreislers Ein-Personen-Musical über eine jüdische Schauspielerin, die um jeden Preis auf die Bühne will.
… Der Österreichische Dichter und Komponist Georg Kreisler schrieb wunderbare Lieder für die naive jüdische Varité-Schauspielerin, melodiöse Sprachspiele, zum Teil bitterböse und am Rande des Nonsens. Christian Keul begleitet diese am Klavier. Dass er kein professioneller Schauspieler ist, dem Regisseur Carsten Kochan kleine Sprechrollen gegeben hat, stört nicht weiter. Die Bühne gehört ja Irina Ries als Lola Blau. Sie singt mit rauer Stimme und spielt die Naive einprägsam. Darin verliert sich die Figur jedoch mitunter zu sehr.
… Gegen Ende zeigt sich aber doch, wie bitter Lola geworden ist. Die stärkste Szene ist jene mit Frau Schmidt. Irina Ries intoniert den derben Wiener Akzent, verzehrt das Gesicht zur feinen Dame, die über ihr Leben fabuliert und mitläuft, egal wer gerade regiert, „ich bin doch nur die Frau Schmidt.“ „Heute Abend: Lola Blau“ hält dem Bürgertum den Spiegel vor. Einzig zwei Stofftücher mit Hakenkreuzen sind eine bewusste Provokation. Ansonsten ist die Bühne spärlich gehalten. Scheinbar spontan wird die Lola mit dem gespielt, was der Schauspielerin in die Hände fällt. Eine Lampe als Telefon, ein Koffer als Bett. Ja, wie schrieb schon Kreisler: Im Theater ist was los.“
Katja Dörn / 11.11.13 / TLZ

„Eisenach – Ein Klavier, einen Pianisten, ein Mikrofon, einen Koffer und eine Frau – mehr braucht ein Musical eigentlich nicht. Zumindest nicht «Heute Abend: Lola Blau».
Am Freitagabend feierte das Monodrama Georg Kreislers im Eisenacher Landestheater seine Premiere und obwohl nur wenig Publikum gekommen war, war diese, nicht zuletzt wegen des langanhaltenden Applauses, ein Erfolg.
… Gespielt wird Lola Blau im Eisenacher Theater von Irina Ries, welche mit großer Bravur und nur unterstützt von ihrem Pianisten, Christian Keul, durch das rund zweistündige Programm führt.“
eol/ppb / 10.11.13 / eisenachonline.de